Feßler'S Biographie.
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Stelle« aller Wahrscheinlichkeit, haben aber doch, selbst wenn sie apo-gryph und von einem spätern Datum sein sollten, in Beziehung aufihren Verfasser, den sie unö näher kennen lehren, viel Interesse. Siestießen ganz über von Versicherungen seiner Offenheit und Freimüthig-keit, bald blickt die Taubenseele, die kein Arg kennt und jedenMenschen ohne Weiteres für einen Engel hält, bald wieder der Geistdes ergrimmten Zeloten hervor, der als tiefer, finsterer Menschen-haffer von „Firniß und erborgten Lappen, von Ausspähen fremderGeheimnisse, von falschen Masken und übertünchten Gräbern rc."eifert. Vor allem, sagt er, abhorire ich diejenigen Menschen, diegerne moralisiren, und während sie auf mir zu spielen glauben, habeich ein herrliches Mittel, sie selbst auszuforschen. Ich fange nämlichmit diesen Leuten immer mit stiller Aufmerksamkeit an, fahre vannmit redseliger Offenheit fort und mache, (wenn ich ihr Geheimnißweg habe) mit entfernender Zurückhaltung den Beschluß." Auch sigu-riren hier, jenes moralischen Ekels ungeachtet, bereits wieder zweizärtliche Liebschaften mit einer engelgleichen Polyrcna (?) und einerganz und gar unvergleichbaren Louise.
Merkwürdig, zur Kenntniß seiner selbst, sind auch die Bekennt-nisse, welche er uns über sein Wirken in dem Beichtstühle mittheilt.„Obwohl tief befangen im Unglauben, beniitzte ich doch diesen Ortals eine reiche Quelle zur Menschenkenntniß. Keinen verwegenenSünder, keine vornehme in Schaamlosigkeit versunkene Sünderinentließ ich, bevor sie mir nicht umständlich und ausführlich ent-deckt hatte, auf welche Weise sie von Schritt zu Schritt aufdiesen Grad ihrer Verderbtheit gestiegen ist u. s. w. Was aber ihnselbst und seine Liebschaften betrifft, so heißt eS: In vertraulichenUmgänge mit Louisen beschirmte mich sowohl ihre eigene majestätischeHaltung, als auch der Geist der Großwardeiner Schneiderin (sieheoben) vor jedem Ausbruche eines kräftig erwachten Temperaments."
Seite 83 theilt er sein Schreiben an einen mächtigen Gönnerin Wien mit, in welchem er ihm berichtet, daß er in seinem Klosterden geheimen Ausspäher mache und daß er ihm alleö mittheilen werde,waS seine Brüder etwa in ihrem Zorn gegen . . sprechen würden.Diese einfältigen Menschen habe er ganz sicher gemacht, weil er jetztvor ihnen den Heiligen spiele und in ihr Lied mit einstimme, ja sie .sangen sogar schon an, ihn, wegen seiner Gelehrsamkeit, für einenfesten Pfeiler ihres Ordens zu halten. Er bittet daher seinen Gönnerin seinen Aeußerungen gegen den Quardian ja nur vorsichtig zu sein,weil ein einziges unrechtes Wort, sein „mühsam errichtetes Bollwerk"mit einem Schlage zerstören könnte. Später S. 114 gibt er diesemGönner die geheime Schublade in dem Schreibtische des QuardianSan, wo verschiedene Privatbriefe liegen sollen, und räth unmittelbareine Commission in's Kloster zu schicken. Als er hinter ein Geheim-niß dieses Quardians gekommen war, daS er gegen ihn gut brauchenkonnte und auch gebraucht hat, schrieb er an denselben Gönner S. 93:
„Ich singe ohne Unterlaß mit David: hoch gelobt sei der Herr, der