Band 
Dritter Band.
Seite
518
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SIS

Feßler's Biographie.

meine Feinde in meine Hände gegeben hat." UebrigenS wird, wosich nur eine Gelegenheit dazu darbietet, der Leser versichert, daßOffenheit und Redlichkeit ein Grundzug seiner Seele sey.

Von einem Capitän N. wird S. 86 demselben Gönner gesagt,daß er wegen seiner hohen Verbindungen ein treffliches Werkzeug sey,daS man zu Allem brauchen kann, zum Unterhändler wie zum Sturm-lauser, wenn man sich nur schasSgutmüthig scheinbar von ihm impo-niren läßt. „Ich merkte das gleich bei unserm ersten Gespräche,daher hüllte ich mich ihm gegenüber ties in die Decke der Dummheitein, die mir als Mönch bis zur höchsten Täuschung gut läßt. Sowar ich gleich sein Mann, ohne daß er merkte, daß er eigentlich dermeinige sey. Ich lasse mich von ihm belehren, hudeln, foppen undauSfilzen, alles mit der Gutmüthigkeit eines dummen Schafes, under läßt sich dagegen, wie eine Maschine, von mir lenken, wohin ichwill. Mag er sich auch bisweilen mit meiner Wolle kleiden und mit- meinem Fette salben. Ich denke, leben und leben lassen." Die Leserwerden übrigens erinnert, daß diese Schrift eine Selbstvertheidigungseyn soll, in welcher der Verfasser seinen Feinden zeigen will, welchenedlen und vortrefflichen Mann sie verfolgt haben. Wie werden siesich schämen, diese niedrigen Verläumder, und wie werden sie dieKohlen brennen, die der unschuldige Verfolgte, wahrscheinlich ohneselbst zu wissen, was er thut, auf ihrem Haupte sammelt.

Er sucht nun drei andere junge Kapuziner für sich zu gewinnenund gegen ihre Obern aufzuregen. Er schärst ihnen vor allem ruhigeGelassenheit ein, empfiehlt ihnen aber auch zugleich die gespanntesteAufmerksamkeit auf die Schwächen seiner Gegner. Den einfältigstenvon diesen jungen Leuten, aber auch zugleich den schönsten, schickt eran ein Weib, um durch sie die künftigen Pläne seines GuardianS zuerfahren, was auch gelingt. An seine eigene Geliebte schreibt erfingirte Briefe unter fremden Namen, die daS Mädchen in das Klosterbringen und den Guardian verrathen soll, um das bisher nur glim-mende Feuer zur hellen Flammen anzufachen, weil jetzt die Zeit desHandelns gekommen seyn soll. Als dann das Kunststückchen losplatzt,spielt er den Unwissenden, den Unterwürfigen, den in die FügungendeS Himmels und die Befehle seiner Obern ergebenen Heuchler u. f.

Allmählig wurde er nun selbst aller dieser Neckereien, wenigstensauf eine Weile, müde. Er will nun, wie er S. 137 an seinengroßen Gönner schreibt, ein Bischen ausruhen. Ich werde, sagt er,meinen erboßten Seraphbrüdern aus dem Wege gehen und sie nurZeichen der Ruhe und Heiterkeit sehen lassen; ich werde mich stellen,als hätte ich alle meine Pläne aufgegeben, damit sie an das Erlöschenmeines Muthes glauben und in der Sicherheit des Sieges einschlum-mern.

Aber sie sollten nicht lange schlafen. Fehler hatte das geheimeGefängniß des Klosters entdeckt und eine eben so geheime Anzeigedavon gemacht. Plötzlich erscheint eine Commission, die Sache wirdentdeckt und die Vorsteher des Klosters werden bestraft, man erfährt