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Dritter Band.
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2. I. v. Ltttrow'S Biographie.

werden kann, und da ich im Gespräche Karolinenö natürliches Wesenkennen gelernt hatte, und mir ihr lebhafter, anspruchsloser Characterweit mehr zusagte als das Vornehmthun und Müßiggehen meiner bis-herigen Braut, so erklärte ich mich noch am selben Tage darüber undbegehrte Karolinen zur Frau. Nanni, stolz auf ihre Schönheit, diean körperlichen Reizen weit ärmere Schwester beinahe verachtend,dünkte sich zu hoch, und war zu kalt, um über dieses Begegniß auchnur ungehalten zu werden, sie schien im Gegentheile froh, einenMenschen los zu werden, der eine Aschenbrödel, denn dafür galt Ka-roline im Hause, ihr vorziehen konnte. So war uns beiden ge-holfen."

Ein kleines Hinderniß, das sich in einem Liebesverhältnisse Karo-linens zu einem jungen Manne, der keine Aussicht zu einer selbst-ständigen Stellung hatte, zu erheben schien, war bald beseitigt undLittrow verband sich mit dem sechzehnjährigen Mädchen, das ihmkeine Mitgift brachte, aber sich bald als eine der trefflichsten Mütterbewies. Nanni blieb unverheiratet bis an ihren Tod (1841), denLebensüberdruß über ihre Einsamkeit herbeiführte, nachdem sie injüngeren Jahren mehrere mitunter glänzende HcirathSanträge vonder Hand gewiesen hatte.

Littrow'S glückliche Ehe gab ihm eine zahlreiche Nachkommen-schaft, von welcher noch fünf Söhne (Karl, Heinrich, Franz, Ludwigund Julius) leben. Es gehörte zu seinen Sonderbarkeiten, daß ersich gern für einen Vater von zwölf Kindern ausgab, obschon erDeren eigentlich nur acht hatte, und zur Ergänzung jener Zahlmehrere entschiedene Fehlgeburten mitgezählt werden mußten. —Obschon er sich später als ein sorglicher, liebevoller Gatte und Fa-milienvater zeigte, war er doch jetzt vom Feuereifer für seine Wissen-schaft so ganz gefesselt, daß er auch am Morgen nach der Trauungseinen Geschäften nachging und erst, als einer seiner Freunde ihn zueiner Arbeit aufforderte, die eine weitere mehrstündige Abwesenheitvom Hause erfordert hätte, besann er sich. — „Verzeihen Sie, ichkann Ihren Vorschlag nicht annehmen." — „Warum?" — „Ichhabe heute früh geheirathet." — „Potz tausend, und da sitzen Siehier mit mir den ganzen Vormittag unter den Büchern?" — Littrowfühlte die Triftigkeit dieses Erstaunens und kehrte nun eiligst heimzu seiner jungen Frau, die eben vom mütterlichen Hause getrennt,wie sie war, in ihrer Einsamkeit über diese scheinbare Vernachlässigungbittere Thränen weinte. Er hatte alle Mühe, ihr begreiflich zu machen,daß, wenn ihm auch „die Arbeit über alles gehe," er doch darumim Herzen Wärme für seine Lieben bewahre. Wenn er in späterenJahren zufällig auf diese kleinen Begebnisse zu sprechen kam, solächelte er über sich selbst und meinte, er hätte nie Geschick in derBehandlung von Frauen besessen, und auch nie Glück bei ihnen ge-macht. Jetzt in meinen alten Tagen hören mir „äußerte er sich einesTageS" die Frauen gern zu, wenn ich in'S Schwätzen komme, aberLiebeshändel einzuleiten, habe ich nie verstanden. Nicht als ob es