574
I. I. v. Littrow's Biographie.
und liebenswürdigen deutschen Gelehrten wie: Frähn, Erdmann,Bartels u. A., welche ebenfalls durch die Kriegsunruhen a»S ihremVaterlande vertrieben waren, hatte auch dem Privatleben viele Reizeverliehen. Bald aber sollte dieser Frieden für mehrere Jahre aufdas traurigste gestört werden. Noch war die Universität nicht eigent-lich eröffnet, und wurde einstweilen, so wie die der Universität unter-geordneten Lehranstalten von Jakoffkin dirigirt, einem leidenschaft-lichen, alles fremde hassenden Russen, der unglücklicherweise daS volleVertrauen des CuratorS besaß. Littrow hatte im confidentiellen Wege,und ohne sich träumen zu lassen, daß dieß irgend weitere Folgenhaben würde, dem Curator, mit dem er als gefeierten Astronomenin beständigem Briefwechsel stand, am 8. September 1811, nachdemer eben Hrn. Simonow wieder gelobt, unter andern geschrieben:„Könnte ich dasselbe von meinen übrigen Schülern sagen! Aber,obschon eS ihrer cilf sind, wiegen sie doch alle zusammen nicht deneilften Theil jenes Mannes auf; denn keiner von ihnen kann einlateinisches Zeitwort conjugiren, noch einen Sinus von einem Cosinusunterscheiden; so viel haben sie im Gymnasium gelernt. Ich bin ge-zwungen, nicht Astronomie, sondern vorerst die ersten Elemente derMathematik und der lateinischen Sprache (Littrow trug nämlich an-fangs in dieser Sprache vor) ihnen beizubringen; demungeachtet willich mir alle Mühe geben, sie auch mit jener Wissenschaft bekannt zumachen" u. s. w. Der Curator hatte, wahrscheinlich in der bestenAbsicht, die Unvorsichtigkeit, diese Stelle Jakoffkin wieder zu schreiben,und ihn zu ermähnen, einem solchen bedauernswerthen Zustande einEnde zu machen. Jakoffkin wurde darüber auf das äußerste erboßt,nannte Littrow öffentlich im Conseil der Universität, im Gymnasium,und überall, immer unter Citation jener Worte, einen Verläumderund begann mit ihm und seinen deutschen Kollegen einen wüthendenKrieg. Da eS sich nun darum handelte, die Wahrheit jener Behaup-tung zu beweisen, so legte Littrow seinen Schülern drei ganz einfacherussische Sätze zur Uebertragung in's Lateinische vor, stellte ihnenDictionäre zur Disposition, und bot sich überdieß an, ihnen in allenzweifelhaften Punkten zu helfen; er mußte ihnen alle lateinischenWorte sagen, denn sie wußten nicht einmal das Wörterbuch zu hand-haben. Sie brauchten zwei Stunden zu dieser Arbeit und Littrowschickte den ganz unverständlichen Gallimathias, jede einzelne Aus-arbeitung von dem betreffenden Schüler unterzeichnet, dem Curatorein, der nicht wenig darüber erstaunte. Es wurden nun öffentlichePrüfungen im Gymnasium, in Gegenwart der Universitätü-Professore»als Examinatoren angeordnet; da zeigte eS sich, daß die Lehrer desGymnasiums, an ihrer Spitze Jakoffkin, selbst nicht Bescheiv wußten,und allen Ernstes dafür zu streiten anfingen, daß vwlum in der viel-fachen Zahl ecvli, prseripio in der vergangenen Zeit prserspsi, paupvrim Genitiv paupsri hätte und drgl. Am Ende dieser Prüfungensetzten die Univerfitäts-Professoren durch, daß die Ausarbeitungen derSchüler im Originale und nicht wie früher immer geschehen war, in