576
I. I. v. Littrow's Biographie,
seltene Moralität ausgezeichneter Mann, nahm sich des, völligen Ver-fall drohenden Institutes mit Wärme an; die Universität wurde er-öffnet, die Wahlen bestätigt, und die früheren, angenehmen Verhält-nisse siengen an sich wieder herzustellen. Jakoffkin wurde eliminirt,und konnte weiler keinen Einfluß üben. Littrow hatte mit seinemKollegen Braun bei der Wahl des RectorS, der fortan die Leitungder Universität führte, gleiche Anzahl Stimmen erhalten, aber dasMinisterium ausdrücklich gebeten, ihn durch diese, mit administrativenGeschäften aller Art heimgesuchte Stellung, nicht aus seiner stillen,aber glücklichen, weil ganz der Wissenschaft gewidmeten Thätigkeit zuziehen. Er bekam bald darauf die Erlaubniß, im Garten der Univer-sität eine provisorische Sternwarte zu erbauen, und dieselben mitneueren Instrumenten, größtentheilS von Baumann in Stuttgart aus-zurüsten. Dieses Auftrages entledigte sich Littrow zu solcher Zufrieden-heit seiner Vorgesetzten, daß der Curator sich veranlaßt fand, in einemeigenen Belobungöschreibcn ihm dafür „seinen besonderen Dank abzu-statten." Diese Sternwarte hatte übrigens nur den Zweck, demdringenden Bedürfnisse des Augenblicks nothdiirstig abzuhelfen, unddie Zuhörer auf die eigentliche größere Sternwarte vorzubereiten, dieunter Littrow's Nachfolger Simonow, bald nach dessen Rückkunft vonder 1820—1823 unternommenen russischen Südpol-Expedition erbaut,später ein Raub der Flammen wurde, und eben wieder auö der Ascheersteht. Den 22. Dezember 1813 wurde Littrow zum correspondi-renden Mitgliede der k. Akademie der Wissenschaften zu Petersburgernannt, und nahe um dieselbe Zeit zu der großen Schnl-Commissionberufen, deren Bereich sich über alle Unterrichtsanstalten von Nischnei-Nowgorvd bis an die östlichen Ufer des stillen MeereS erstreckte, inwelcher er rastlos thätig zur Aufnahme der Volksbildung beitrug.Zugleich wurde er aufgefordert eine Reise nach Jakutzk zu machen,und alle wichtigeren Orte am Wege astronomisch zu bestimmen, eineUnternehmung, welche jedoch wegen der Erschöpfung des Staatsschatzesdurch die Kriege unterblieb.
Eine Privat-Erziehungö-Anstalt, welche Littrow unternommenhatte, und der die angesehensten Familien ihre Söhne anvertrauten,brachten Littrow zu einem Wohlstände, der ihm in öconomischerBeziehung nichts zu wünschen übrig ließ. Auch seine ehelichen Ver-hältnisse hatten durch die Geburt des ersten KindeS (Karl), das amLeben bleiben sollte, an Bestand gewonnen. „Meine Karoliue hat sichvollkommen erholt, sie ist ein braves Weib," schreibt er an seinenalten Freund Voigt am 14. Sept. 1813, „die mein Glück machtund die von allen geschätzt wird." Obschon sich aber seine Lage durchalle diese Umstände sehr gebrssert hatte, so konnte er sich doch deSWunsches, in sein Vaterland zurückzukehren, nicht erwehre». Die inden früheren Jahren erfahrenen Kränkungen, gegen deren plötzlicheWiederkehr von irgend einer Seite keine Bürgschaft vorhanden war,die immerwährenden Feuersbrünste, in deren einer Littrow HauS undHabe verloren, daö rauhe Klima endlich, dem mancher seiner Lands-