578
I. I. v. Littrow's Biographie.
erfolgten Gehaltsanweisung wurde er „alter 86U sooius ^stronomus,sudln gutem specuige praeleolus" genannt.
Littrow suchte um seine Entlassung von der Kasaner Universitätan, erhielt dieselbe am 30. Mai 1816 in den schmeichelhaftesten Aus-drücken, und trat am 12. Juniuö desselben Jahreö seine Reise nachOfen an. Sämmtliche Professoren seiner Facultät, mit denen allener in innigster Freundschaft und brüderlicher Eintracht gelebt, beglei-teten ihn bis jenseits der Wolga, gaben ihm dort ein Abschiedsmahl,und überreichten ihm endlich ein zum Andenken an die zusammen ver-lebten Tage gedrucktes russisches Lied, das wir so wiedergeben, wieLittrow selbst cS Strophe für Strophe in ungebundener Rede übersetzte:
Leb' wohl! — Eil' in Dein Vaterland.
In der Trennung bitt'rer Stunde
Nimm hin der Freundschaft seliges Umarmen,
Vielleicht zum letztenmal.
Doch wie das wissen. — O Freund, eS kann wohl seyn,Daß nie des Wiedersehens Stunde kommt.
O bitter, schwer ist'S, sich zu trennen,
Wenn zum Wiedersehen keine Hoffnung ist.
Warum gab uns das Schicksal nicht,
Daß Freund beim Freunde ewig lebe;
Ein herzliches Gefühl ist'S, mit einanderUnd den Musen freundliche Gespräche führen.
Aber vereinte FreundesseelenVermögen nicht getrennt zu werden;
Zieh' bis zur letzten Grenze
Die Freunde sind mit Dir und nie allein.
Dich begleitet unser Geist
In Dein fernes, liebes, segenvolles Land:
Deine Liebe mahlet unS
Selbst das sremd'ste Land als Paradies.
Und was ist denn Zeit und Trennung,
Was ist sie gegen wahre Freundschaft? —
Die besten Wünsche uns'rer Seelen fürDein Schicksal geh'n mit Dir zur Reise.
Sey froh und glücklich, ernte
Die Früchte Deiner Talente und Bemühungen,
Erfreu Dich Deines ehrenvollen AmteöUnd gedenke uns'rer Liebe.
Littrow löste sich nur mit inniger Wehmuth von seiner ihm sehrlieb gewordenen, weil mühsam erkämpften, Stellung in Kasan loS, woer Haus und Habe, alles seit Jahren Erworbene, zurücklassen mußte.— Ein geringfügiger Umstand bei seiner Abreise sollte, indem derselbegleichsam symbolisch zu seinem Gemüthe sprach, nicht wenig dazu bei-