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I. I. v. Llttrow'S Biographie.
mögen. Was ist doch Land und Natur gegen diese Kerker von ein-fältigen Städten! könnte ich Euch zu mir ziehen, und könnten wirewig zwischen diesen schönen Bergen wohnen. Karlsbad selbst istübrigens, wenigstens jetzt, wo schon viele Gäste fort, ein ziemlichlangweiliger Ort. Oder bin Ich in der Schuld? ein geschästloseSLeben ist für mich Tod, und was hätte ich hier zu thun? vielleichtziehe ich nur deßwegen den Landkutscher vem Eilwagen vor, weil ichda doch ein Geschäft habe — zu laufen. Ich sehne mich nach Ge-sellschaft, ich bin wirklich ein sociales Thier — und kaum habe ich,was ich wünschte, sehne ich mich wieder nack der Einsamkeit, d. h.nach dem stillen Treiben mit mir selbst zurück. Der alte Bekannte,den ich hier getroffen, und von dem ich früher sprach, ist gewiß diefadeste Prise, die es geben kann. — Hier sehne ich mich nach ihm,wie weiland nach der Geliebten, und wenn er kommt, möchte ich ihn
doch wieder weit von mir. Ist das Krankheit, ist'S Ueberdruß und
Sattheit — oder sind die Kerle gar zu dumm, oder bin ich'ö selbst,
— ich weiß eS nicht, aber so ist'S: die Folgen sind dieselben, und
so bin ich, ohne eben ungenügsam zu seyn, der unzufriedenste unterden Menschen. Ich möchte Armeen commandiren und große Reicheregieren — und wenn ich heute eine Krone erhielte, würde ich siemorgen langweilig finden, und vielleicht von mir werfen, wenn auchnur, um über die Bettlermiitze, die ich dafür aufbebe, desto mehrschmälen zu können. So gibt cS Zeiten, wo ich über meinen geisti-gen Organismus bitter böse bin, und gleich darauf ist mir doch wiederwie dem Pharisäer, der Gott dankt, daß er nicht ist, wie anderesind, und wenn der Abend kommt, lache ich über meine eigene Thor-heit und schlafe gemüthlich darüber ein. Ein geschäftiges Treiben und
— Schlafen, das scheint mir der Himmel auf Erden, und alles, wasdazwischen liegt, ist nichts."
In einem anderen Briefe aus Jena vom 24. September heißtes: „Bei uns drängt und treibt sich alles durch einander, und sowohl es mir geht, so gut die Leute mit mir sind, so werde ich dochfroh seyn, wenn ich wieder ruhig mir selbst leben kann. DaS turbu-lente Wesen widersteht mir, besonders der auf die Ohren berechneteTheil desselben, mit dem ich mich ewig nicht versöhnen kann. Ichwill geduldig, ja vielleicht gern, zehnmal so viel hören, und auch selbstsprechen, als ich hier hören und sprechen muß — aber eins nach demandern, nicht alles auf einmal. Es ist mir unbegreiflich, wie die Leutean diesem wild durch einander strömenden Getöse von mehr als 400Schwätzern Geschmack finden können, wo man einen Gegenstand nieerschöpfen, ja kaum andeuten kann, wo man jede Kleinigkeit schreienmuß, und wo man weder die anderen versteht, noch von den anderenverstanden wird. Am 22. waren wir in Weimar, wo der Großherzogmit dem Herzog von Altenburg und dem Prinzen Karl von Preußenmit uns an« der Tafel saßen. Warum waren denn da meine Colle-ge» so bescheiden? Sie sprechen auch, aber jeder nur mit seinemNachbar, und da ging'S, obgleich lebhaft, doch sehr gut. Die