626
I. I. v. Littrow's Biographie.
Die Sternwarte, aus der ich mich doch sonst so übel nicht befand,kommt mir, seit Ihr Euer Nest dort gebaut und es dann freventlichverlassen habt, wie eine Einöde, wie eine Wüste vor, und ich gehenur mit Widerwillen hin. Ich wäre längst mir selbst davongelaufen,wenn ich nicht wüßte, daß der abscheuliche Kerl, gleich meinem Schat-ten, mir überall auf den Fersen folgen wird."
In der Leidensperiode, von der wir eben die Hauptmomente mit-theilten, erlitt Littrow überdies durch den Tod seines hochverehrtenFreundes, Freiherrn von Iacquin, einen empfindlichen Verlust, derauf sein ganzes Wesen, mitunter auch durch die Störung des seitvielen Jahren gewohnten VereinigenS mit den ausgezeichnetsten ein-heimischen und fremden Gelehrten in dem Hause dieses trefflichenMannes eine tiefgefühlte Rückwirkung hinterließ. „Während ich dieletzten Zeilen schrieb," sagt er in einem seiner Briese, „legte derDiener mir einen Partzettel auf den Tisch. Da ich erst vor einigenTagen denselben Fall mit einem Menschen hatte, den ich nicht weiterkannte, so ließ ich den Zettel liegen. Aber wie erschrack ich, als ichihn endlich aufhob. Unser guter Iacquin ist nicht mehr. Ein Schlag-fluß hat ihn schnell und schmerzlos gctödtet. Ich hatte bisher nichtsdavon erfahren, weil ich der kleinen Unpäßlichkeit wegen, von der ichEuch oben schrieb, seit einigen Tagen das Haus nicht verlassen. Wirverlieren alle sehr viel an dem kreuzbraven Mann, den ich wirklichvon ganzem Herzen gern hatte, und der die Achtung und Liebe allerGutem mehr als tausend Andere verdiente. Friede mit ihm."
Im Laufe des folgenden Sommers hatte Littrow die Freude, dreiseiner jüngeren Söhne zu Offizieren ernannt zu sehen; im Herbstebesuchten sie ihn nach einer mehrjährigen Abwesenheit; so waren alleseine Kinder um ihn versammelt, als er von seiner irdischen Laufbahnabberufen werden sollte. Seine wahrhaft unermüdliche Thätigkeit hattein den letzten Jahren eher zu- als abgenommen und ihn, im Vereinemit den Familiensorgen, welche seit dem Tode seiner Gattin doppeltschwer auf ihm lasteten, zusehends altern gemacht. Sein sonst kräf-tiger Körper widerstand den üblen Einflüssen einer sitzenden Lebensweiselange Zeit. Die bereits erwähnte Neigung zu Erkühlungen und zeit-weise Andrang des Blutes zum Herzen, welche beiden Uebel ihmöfters kleine Unpäßlichkeiten zuzogen, hatten sich seit einiger Zeit häu-figer und stärker fühlbar gemacht als sonst, ohne übrigens Littrow'Svollkommene Rüstigkeit irgend merklich anzugreifen. Scheinbar wiedermit einem solchen Unwohlseyn begann seine letzte Krankheit am 21.November 1840. Zwei Tage darauf erklärte sich dieselbe als eineBauch- und Leberentzündung, die bald in ein gichtischeS Fieber über-ging. Nachdem der Zustand des Kranken die Angehörigen einige Malezwischen Furcht und Hoffnung schwanken gemacht, verschlimmerte sichderselbe plötzlich in der Nacht vom 29. auf den 30. November undendigte Allen unerwartet sein Daseyn gegen 4'/? Uhr Morgens. Erhatte oft geäußert, daß er sich vor dem Tode nicht fürchte, da er dieHandlungen seines Lebens vor jedem Richter verantworten könne, daß