I. I. v. Littrow'S Biographie.
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er aber, um sich und den Semen herben Schmerz zu ersparen, einschnelles und ruhiges Sterben wünsche, wenn einmal seine Stundeschlüge. Dieser Wunsch ward ihm erfüllt; nachdem er in dem letztenAugenblicke seine beiden ältesten Söhne an das Bett gerufen, gedachteer mit den Worten: „Ihr müßt sorgen" wahrscheinlich seines jüngsten,noch völlig unversorgten Kindes, die Stimme versagte ihm, eine Ohn-macht umnebelte seine Sinne, er schlummerte sanft in das Jenseitshinüber. „Sonne, Moment, Sterne" waren seine letzten, kaum ver-ständlichen Traumworte. Der Bestattung seiner Leiche auf dem Matz-leinsdorfer Friedhofe, wo dieselbe neben dem Grabe seiner Gattin ruht,wohnten viele der ersten Notabilitäten Wiens bei; die religiösen Ehrenaber im Dome zu Sl. Stephan schenkte ihm sein vielsähriger Freundund Fachgenoffe, Probst Hallaschka, Direktor der philosophischen Studien.
Mit ihm schied einer der edelsten Menschen, die Wissenschaft undLeben besaßen, ein Mann im weiten wie im nahen Kreise auf selteneWeise verehrt und geliebt, dort wegen seiner Verdienste, hier wegenseines ehrenhaften Charakters, dessen tüchtige und gemüthvolle Anlageauch durch die einseitige Beschäftigung eines Gelehrten nicht verlorenging. Scharfsinn, richtiges Urtheil, streng sichtender Verstand, dereben so schnell faßte, als er daS einmal Erfaßte ordnete, verarbeiteteund sich dadurch aksimilirte, außerordentliche Thätigkeit verschafften ihmeinen Schatz von Bildung, wie er wohl nur Wenigen beschicken, undließen ihn eine literarische Fruchtbarkeit entwickeln, wie sie mit solcherVielseitigkeit in seinem Fache noch seltener getroffen wird. Unbescholtenredlich ließ er sich nie auch nur die kleinste Spur von Intrigue zuSchulden kommen; ruhig und bescheiden, begegnete er jedem mit derzartesten Schonung und ließ jeden gewähren, der ihm nichts in denWeg legte; angegriffen aber wußte er furchtlos offen in Wort undThat sich mit Kraft zu behaupten. Bis zum Kindlichen gutmüthigund sich so lang nur irgend möglich den Andern so herzlich denkend,wie er selbst war, kannte er keinen Unterschied, den Aeußerlichkeit ge-ben, vergaß immer nur sich und opferte Einfluß und Habe den Sei-nen und denen, die er lieb gewonnen. Von den edelsten Absichten fürdos allgemeine Beste beseelt, fühlte er nie den Ehrgeiz, der um per-sönliche Vortheile buhlt; auf seine Leistungen nie den Werth legend,der denselben von Anderen so reichlich zuerkannt wurde, starb er armund ganz in derselben Lage, in der er über dreißig Jahre früher indaS öffentliche Leben getreten war. Ein feiner Beobachter und nochviel besserer Erzähler, war er in jeder Gesellschaft willkommen, undgewöhnlich bald ein Mittelpunkt der Unterhaltung, da er mit seinerwohlklingenden Stimme und seinem eben so schönen als gehaltreichenVortrage die Zuhörer unwillkürlich fesselte. Er verstand mit Witz undtreffenden Bemerkungen in jedes Gespräch einzugehen und es zu be-leben; seine fast stets heitere Laune, mit der er daS Erlebte zu be-nützen wußte, verließ ihn erst in den letzten Jahren zuweilen, wowahrscheinlich schon ein geheimes Siechthum an seinem Körper nagte.Höchst umfassend in seiner DenkungSweise, achtete er tiefe Forschungen