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Dritter Band.
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I. I. v. Liltrow'S Biographie.

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dabei an eigentlicher Bildung über der gewöhnlichsten Dienstmagd zustehen. Seine Forderungen waren in der That nicht zu hoch gespannt-Er wollte eine gutgeartete Person im Hause haben, die allenfalls dieErzeugnisse der heutigen Belletristik verstünde und erträglich vorzulesenim Stande wäre. Sie sollte freundlich, heiter und wo möglich ge-sprächig seyn, denn er liebte die Conversation und führte auch mitunbedeutenden Personen oft die lebhaftesten DiScurse. Wenn er vonseinen Geschäften ermüdet nach Hause kam, und wie er sich auszu-drücken pflegte, deck Lcscnck und Schreibens satt war, schien ihm jedesGespräch angenehm; ging er auch still und scheinbar in sich gekehrtin der Stube auf und nieder, so war es ihm doch lieb, wenn sichum ihn her jemand bewegte, und die menschliche Stimme an sein Ohrdrang. Mmählig wurde er aufmerksamer, mischte sich am Ende selbstin dack Gespräch, beantwortete die Fragen, die man an ihn richtete,mit aller Umständlichkeit, und war so genügsam und zugänglich, daßer über eine Kleinigkeit herzlich lachen und an den unbedeutendstenEreignissen den regsten Antheil nehmen konnte. Jede Persönlichkeitschien ihm dann interessant, wenn sie nur mittheilsam war, und über-haupt war diese letzte Eigenschaft eine Hauptforderung, die er an dasweibliche Geschlecht stellte. Er war ein Feind der selbstbewußten undpathetischen Damen und obschon ihm eine gebildete Frau im Umgängeüber alles ging, und er den Frauen überhaupt alle Thore deck Wissensgeöffnet wissen wollte, haßte er doch die sogenannten Minerven, derengeweihte Mienen und salbungsvollen Worte ihm widerlich waren. Wennsolche Damen gar noch, ohne durch Gesundheitsrücksichten dazu ge-zwungen zu seyn, leise sprachen und voll Eigendünkel mehr errathenals gehört werden wollten, wenn sie ihre Aeußerungen abmaßen unddurch Natürlichkeit und durch unbefangene Sprache ihrer Würde zuvergeben glaubten, so wurde ihm vollends unheimlich in ihrer Nähe,und er wich ihnen, wo er konnte, aus. Sonst aber und wofern ernur eine gewisse Offenheit gewahr wurde, konnte jede Frau bald seineZuneigung gewinnen.

Als aber endlich seine Versuche, eine nur etwas gebildete Frauals Gesellschafterin zu gewinnen, an der Klippe „Moralität" scheiter-ten, indem jede entweder HeirathSprojecte oder Sorge für ihren gutenRuf durchschimmern ließ, da erwachte in ihm eine Art von Ingrimmgegen die sogenannten moralischen Personen und das Wort Moralität,welches im Munde dieser Damen so weit von seinem eigentlichen Sinneentfernt war, als, jene albernen Fraucnzimmerchen von ihm, wurdezum Stichblatte seiner Scherze. Wer ihn in jener Epoche über die-sen Gegenstand hätte sprechen hören, ohne ihn zu kennen, würde beider oratorischen Darstellung seiner Empfindungen den tief moralischenCharakter und strengen Beobachter der Sitte, der er wirklich war,nicht erkannt haben.

Wie er selbst auf die frühen Morgenstunden großen Werth legte,und überhaupt beinahe keine Anforderungen an Bequemlichkeiten machte,so war ihm der Anblick von Gemächlichkeit und ihren Attributen auch