4
Im Jahr 1665. ließen sie sich ;u Tourlaville bey Cherburg (in dem Departementde la Manche) nieder, eine Ortslage, welche ihnen die Bequemlichkeit verschaffte, dieersten Materien zur See wohlfeil kommen zu lassen, und ihre Fabrikate durch eben denWeg zu verschleußeu.
Ihre Bemühungen hatten den Erfolg , welchen sie davon erwarteten. Der Rufverschaffte ihnen eine wohlverdiente Berühmtheit, Lind Liebhaber der Knuste undWissenschaften wetteiferten, ihre Anstalten zu besuchen.
Die größten Spiegelgläser, welche man zu Tourlaville verfertigte, maßen ohngefähc4t! Pariser Zoll. Indessen ließ der Geschmack in der Baukunst, in Rücksicht der innernVerzierung der Gemächer, gar bald das Verlangen entstehen, größere Spiegelgläser zuihrer Verzierung zu erhalten.
Zwanzig Jahre nach Gründung der Spiegelglashütte zu Tonrlaville, erfand einsinnreicher französischer Künstler, der, wie mau glaubt, Abraham Thevart sichgenenner haben soll, das Spiegelgießen, wodurch er in Stand gesetzt wurde, Spiegel von1 lo Zoll Höhe zu fabriziren. Er fieng fein Geschäfte in Paris i» der VorstadtSt. Antoine an; allein der hohe Preiß des Brennmaterials und der Handarbeit zwangenihn bald, seine Betriebsamkeit weit genug von dieser großen Stadt in Thätigkeit zu setzen.Er bat, und erhielt von der Regierung die Erlaubniß, seine neue Anlage nach St. Gobain (in dem Departemenre de l'Aisne ) zu verlegen; hier ließ er sich 1691. nieder, und legteden Grund zu der beträchtlichsten Manufaktur dieser Art, welche man noch bis auf denheutigen Tag hat.
Außer den Kompositionen oder dem Gemenge der glasfähigen Materien, mußte derErfinder der Spiegelgießkunst alles neu erfinden. Er mußte ganz besondere Werkstättenund Werkzeuge anschaffen; er mußte die Maaße und Form der Schmelzöfen, der Häfenund der Kühlöfen abändern; er mußte ganz neue Handgriffe bey Bearbeitung undZurichtung des Glases einführen. Das Genie eines und eben desselben Künstlersüberwand alle Schwierigkeiten, und ließ seinen Nachfolgern nichts übrig, als sein Werknach Maaßgabe der Fortschritte, welche man in der Naturlehre machen würbe, zuvervollkommnen.
So große Fortschritte, von Seiten der Franzosen , erweckten die Nacheiferung undden Wettstreit anderer Völker. Venedig wurde von diesen noch als der Mittelpunkt dereuropäischen Glasfabriken, als die Hauprschnle, angesehen, wo man Kenntnisse in diesemFache erwerben müßte. Die Deutsche» bemüheten sich, praktische Kenntnisse derGlasbearbeitung daselbst zu holen. Deutsche Chemisten legten sich vorzüglich darauf, dieglasfähigen Materien so vorzubereiten, daß daraus ein Glas von weißer (wasserähnlicher)Farbe entstehen konnte, und deutsche Künstler wandten dieses Glas bey Verfertigung desunter dem Namen Walzenglas, Tafelglas, bekannten Fensterglases an, welches man -nochheut zu Tage von dem Lande feiner Erfindung, Böhmisches Glas nennt, und dessenBearbeitung nichts anders als eine geringe Abänderung des Spiegelglasblafens, so wieman es zu Venedig ausübte, ist.