Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
177
JPEG-Download
 

*77

40 Tafeln stehen, eine eiserne Stange queer über gesteckt, gegen welche sich derfolgende Stoß anlehnet. Da das Glas sehr dünne ist, so bekommt es bald dienöthige Härte, um gestellt werden zu können; es ist genug, wenn man 3 — 4Tafeln legen kann. Der Ofen darf also nicht groß seyn; auch muß die Tempera-tur ziemlich niedrig gehalten werden, weil das Glas, wegen seiner Dünne, sehrleicht weich, und dann wieder krumm werden könnte. Deswegen ist der Feuer-herd etwas entfernt, und eben so wie oben bey den freystehenden Aufwärmeöfen,angebracht. Die Höhe ist hier etwas beträchtlich, weil die Tafeln stehen sollen,und die größten Tafeln über 3 Fuß hoch sind. Sie machen übrigens mit demStreckofen ein Stück aus. Der Streckofen hat die oben im Allgemeinen schonangegebene Einrichtung, nur darf hier der Herd nicht offen seyn, sondern er istmit einem Gewölbe bedeckt, in welchem mehrere Löcher offen gelassen sind, durchwelche die Flamme heraus schlägt; auch sind immer einige Deckel zur Hand, umin erforderlichem Fall, em oder mehrere Löcher zuzudecken, wenn die Hitze zugroß ist. Denn da die Tafeln sehr dünne sind, so werden sie in einem Augen-blicke weich; ist die Hitze stark, so fallen sie zusammen, oder hängen sich an,oder es bleibt wenigstens viel von dem eingestreuten Kalk davon hängen. Esist also hierbey die größte Vorsicht nöthig. Uebrigens hat dieser Ofen nocheinen Anhang, der in einer langen Röhre bestehet. In diese werden die schonaufgesprengten Cylinder, einer hinter den andern gelegt, und so wie einer vornehinweggenommen ist, wird wieder ein neuer hinten daran gelegt, nachdem dieübrigen nachgeschoben worden.

Fig. 78- Taf. 9. ist der Grundriß des Streck- und Kühlofenö in der Höbe desStreckherdes. *

a. der Streckherd.

bbbb. die Oeffnungen, durch die die Flamme herausschlägt,c. Mundloch des Streckofens.

ä. Vereinigungsöffnnng des Streckofens mit dem Kühlofen.

e. die Anfwärmeröhre.

f. der Kühlofen.

g. sein Mundloch, durch welches der Strecker die Tafel fortrückt und aust

stellt. ''

bb. ausgestellte Tafeln mit zwischen gelegten Stangen.

i. die Mündung, durch welche die Wärme aus dem mit punktirren Linien ange-gebenen, unter dem Ofen befindlichen Kanal herausschlägt, uikd denselbenerwärmt.

x. eine große Glastafel von dickem Glas, wozu man am besten ein feh-lerhaftes Spiegelglas nimmt, auf welchem die Tafeln gestreckt, und