242
fertig gewordene Stücke nach und nach die ganze Lange des Kühlofens durchwandern,dessen Grade der Temperatur von einem Ende zum andern immer mehr abnehmen, bissie endlich durch unmerkliche Stufen die Temperatur der Atmosphäre annehmen. *
Je zerbrechlicher die Glasart ist, und je dicker die daraus verfertigten Sachen sind,desto langsamer muß das Abkühlen geschehen. Daher ist ein blos aus Sand und Alkalizusammen gesetztes Glas weit schwerer zu kühlen, und bleibt viel zerbrechlicher, als wennnoch Kalk oder ein metallisches Oxyde hinzugethan worden wäre.
Die abzukühlenden Sachen müssen genug erstarret seyn, damit sie sich nicht an dieKörper anhängen, auf welche man sie stellet; denn die Ungleichheit des Zusammenziehen!)in dem Glas und dem Untersatz könnte leicht ein Zerreissen bewirken. Eben das geschiehetauch mit Sachen , die aus Glasarten gemacht werden, welche sich nicht gleich starkzusammenziehen.
Das Zusammenziehen eines zu kühlenden Stücks geht desto leichter von statten, jeweniger Reibung cs zu überwinden hat. Deswegen werden große Glastafeln, wie z. B.die Spiegelgläser, bey dem Abkühlen mit einer ihrer großen Flächen, aus beweglicheKörper, wie zum Beyspiel Sandkörner sind, gelegt.
i Diese batavischen Gkastropfen lverdcn am besten so verfertiget. Unmittelbar nacb der Schmelze,also in dcn^Zcitpunkt, wo das Glas noch in der grösitcn Hihc ist, stelle man einen Eimermit kaltem Wasser neben sich, mit einem Häkchen hole man Glas aus dem Hafen, undlasse einen Tropfen so geschwind wie möglich in das Wasser fallen, dieses wiederhole manso oft als nöthig; endlich nehme man die Tropfen, welche nicht im Wasser zersprungen sind,heraus. Späterhin, wenn der Ofen während dem Läutern schon etwas abgefallen ist,würde man sich vergeblich bemühen, einen brauchbaren Tropfen zu machen. Nimmt manmit einer Pfeife etwas mehr Glas auf, und läßt es so abfließen, daß cs einen zusammen^hangenden Faden bildet, so entstehen kleine Schlangen von mancherlei) Gestalt, welcheeben die Wirkung thun, wie die Tropfen, wenn man ein Stück abbricht. Uebrigens istmir Lonsels Erklärung des Mechanismus des Zcrspringens eben so unverständlich, wieandere Erklärungen der Physiker. Warum sie zerspringen, wissen wir wohl, aber dasWie ist noch immer ein Geheimniß.
s Man erinnere sich hier, was eben bey Gelegenheit der Kühlöfen, über die verschiedenenArten abzukühlen, gesagt wurde.
Von den vorzüglichsten Fehlern, welche man in denGlaswaaren bemerkt.
§. 109.
Die beträchtlichsten und gewöhnlichsten Fehler sind folgende. Streifen, Fäden,Thränen oder Tropfen, Stricke, kleine und große Blasen und Knoten. 1
Die Streifen entstehen von der Ungleichartigkeit des Glases, und wenn seineBestandtheile sich nicht Wechselsweise aufgelöset haben, oder bey einer Abnahme derTemperatur nicht in dem Zustande der vollkomnienen Auflösung geblieben silld. Selten