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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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Die Seidemndustrie wurde im dreizehnten Jahrhundert aus der Lombardie zuerst in Züricheingeführt >).

Es bestanden am Schluß des 13. Jahrhunderts eigene Handwerksordnungen und eigenePfleger" für die Seidenarbeit.

In Folge der Kriege, in welche Zürich nach seinem Eintritt in den Schweizerbund verwickeltwurde, verlor sich die Seidemndustrie bis im Anfang des 15. Jahrhunderts wieder gänzlich ^);um die Mitte des 16. Jahrhunderts (1554) wurde sie indessen wieder von Locarno aus nachZürich gebracht und vielleicht um dieselbe Zeit auch nach Basel °).

Während des dreißigjährigen Krieges litt diese Industrie, wie alle Gewerbe, wieder sehr.

Schinz berichtet, daß zu jener Zeit eine Seidenspinnerm mit 2 Kindern in der Woche nur24 Schilling verdienen konnte, wofür sie, da der Mütt Kernen, der sonst 3 bis 4 Gulden gegolten,zu gleicher Zeit aber auf 16 Gulden stieg, kaum zwei Brode kaufen konnte.

Nach dem westphälischen Frieden (1648) blühte die Seidemndustrie aber wieder auf, zumal daColberts Zollordnung von 1667 die Einfuhr von Seidenwaaren nach Frankreich nicht sehr belästigte.

Französische Emigranten, welche in Folge der Aufhebung des Edikts von Nantes ihr Vater-land verlassen hatten, förderten die Entwicklung der schweizerischen Seidemndustrie noch mehr; nä-here Angaben über deren damaligen Umfang sind aber wohl kaum mehr beizubringen.

Die große Ausdehnung, welche die schweizerische Seidemndustrie gegenwärtig erworben, hat sieim Grunde erst seit dem Jahr 1815 erhalten ^).

Ueber den gegenwärtigen Umfang der Seidemndustrie in der Schweiz mögen die nachfolgendenAngaben, obschon dieselben begreiflich auf keine volle Genauigkeit Anspruch machen können, einmehr oder weniger klares Licht werfen.

Seide wird nur in den Kantonen Tessin und Graubünden in größer» Quantitäten erzeugt ;Versuche der Seidenzucht in andern Kantonen haben bisher noch keine wesentlichen Resultate ge-liefert.

indem die fremden Seidenstoffe nur einen Zoll von 17 18stf, zu entrichten haben, während dieselben m Oester-reich zu 60«g und darüber verzollt werden."

Anmerkung. Ein Kilogramm glatter seidener Stoffe, zollamtlich auf 110 stanz. Frkn. geschätzt, zahlt18 stanz. Frkn. 60 Cent. 16,9 des Werthes. Ein Kilogramm saxonirter Stoffe, zollamtlich auf 120 stanz.

Frkn. angesetzt, entrichtet 22 stanz. Frkn. 10 Cent. 18,z°g seines Werths.

Siehe Geschichte der Handelsschast der Stadt und Landschaft Zürich, von Hans Heinrich Schinz, Seite 77Ibill. Seite 106.

Franscini, Huov» 8 ist>'s«ics, nimmt an, die Seidemndustrie sei 1660 nach Basel gebracht worden; ein Lvbgedicht

auf Basel von 1586 beweist, daß dieselbe damals schon dort sehr im Flor war. Dasselbe lautet:

Der Handwerk findt man allerlei Doch stark und auf Wellisch Art

Gleich wie in Stätten reich und frei Bärget, Tastet und Womasin

Besonders wird da auf alle Weis Aus Flachs die reinsten Tüchelein

Seiden und Sammet gemacht mit Fleiß Und andere subtile Sachen

Tücher von Wullen rein und Zart Welches alles die Bürger selber machen.

1) Siehe Bericht der eidgen. Erpertenkommisston in Handelssachen, von 1844, und b e»n!oini, Huov-, 8 t»ti-t!c», S-161