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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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Einige Merkmale,

welche für einen hohen Grad von Wohlstand in der Schweiz sprechen.

Als in der preußischen Herren-Curie (am 17. Mai d. I.) der General-Steuerdirektor Kühneerklärt hatte,die Rhederci" in Vorpommern seivorangeschritten," verwies der Graf Arnim dieserBehauptung gegenüber auf dieAnschauung," aus welcher sich ergebe, daß die Rhederei zurück-gegangen sei. Aus gleiche Weise möchte ich denjenigen gegenüber, welche behaupten:der Wohl-stand der Schweiz sei zurückgegangen und sie zehre nur noch von dem in frühern, bessern Zeitenerworbenen Kapital," mich auch auf dieAnschauung" berufen, um das Gegentheil darzuthun.

Von welcher Seite man immer die Schweiz betreten mag, so fällt der größere Wohlstand aufim Vergleich zu demjenigen Lande, das man eben verlassen hat. Der Wald von Obstbäumen, wiedie schönen Kornfelder am schweizerischen Gestade des Bodensees, aus welchem die thurgauischenDörfer herausschauen, geben Zeugniß, daß dem Boden diesseits mehr abgefordert wird, alsjenseits in der schwäbischen Kornkammer, wo man nur wenige Obstbäume in den Feldern ge-wahrt; die vielen sich aneinander reihenden Dörfer aber, in welchen man beinahe überall Spurenindustrieller Thätigkeit sieht, sprechen für dichte Bevölkerung und ihren Gewerbfleiß, und erklärendem denkenden Beobachter, warum man hier doppelte Erndte dem Boden abzugewinnen trachtenmuß. Den Reisenden, der aus Tyrol und Vorarlberg kommend das St. Gallische Rheinthalbetritt, lachen wieder in Obstbäumen versteckte Dörfer freundlich an, und die Frauen und Mädchen,die vor jedem Hause beinahe mit ihren Stickrahmen sitzen, bekunden abermals den Gewerbfleißder Bewohner, die zu industrieller Beschäftigung Zeit finden, neben der Bearbeitung der gutbestelltenWeinberge. Die blanken Häuser im Kanton Appenzell vollends, mit ihren glitzernden Gkasfenstern,schön weißen Vorhängen und reinlichen Fußboden zeigen dem Reisenden ein liebliches Bild schwei-zerischen Wohlstandes: so niedliche saubere Bauernhäuser hat er nirgends gesehen, aus welcher Pro-vinz der großen österreichischen Monarchie er auch immer kommen mag.

Aber auch die Straßen, die er befährt, die schön angelegt und vortrefflich unterhalten sind, wiedie vielen wohlbestellten Gasthöfe, werden den Fremden überzeugen, daß er ein wohlhabendes Landbetreten hat, in welchem Sinn für Ordnung und Reinlichkeit zu Hause ist. Und diese Ansicht wirdsich immer mehr bestärken, wenn er von Altstätten die neuangelegte Straße nach St. Gallen ein-schlägt und die schönen Bergdörfer Trogen, Speicher, dann St. Gallen und Herisau besucht, wenner durch das fleißige Toggenburg in die reizenden Niederungen des Zürichersees hinabsteigt undan dessen Gestaden Fabrikantenhäuser trifft, die den Palästen ähnlich sind, welche am Langen- undComersee Fürsten und Grafen bewohnen.

Noch weit auffallender erscheint aber die Wohlhabenheit der Schweiz Demjenigen, der aus Frank-reich, sei es über Basel in den durch seinen Ackerbau wie seinen industriellen Gewerbfleiß gleich