§. 63. Oelfrüchte und fette Pflanzenöle w. 391
§. 63.
Oelfrüchte und fette Pflanzenöle, auch gereinigte und destillirteBrenn-, Speise- und Fabriköle.
So wenig man im gewöhnlichen Leben darüber im Zweifel ist.>vas man unter Fett im Allgemeinen zu verstehen hat, so schwierig isteine charakteristische Definition dieser Materien nach ihren äußerenEigenschaften. Wissenschaftlich betrachtet bestehen dieselben aus Ver-bindungen der sogenannten Fettsäuren mit Glycerylorpd. Sie sind ohneAusnahme organischen Ursprungs und zerfallen ihrer äußeren Beschaf-flnheit nach in konkrete Fette (Talg, Butter, Schmalz), und inflüssige Fette (Oel ). Dies Unterscheidungszeichen ist indessen sehrrelativ. Man bezeichnete früher alle diejenigen Fettarten, welche beimittlerer Temperatur fest waren, mit dem allgemeinen Ausdruck Fett,während man solche, die noch unter der mittleren Temperatur flüssigbleiben, Oele nannte. Seitdem jedoch der Handel die Palm- und Kokosnuß-öle in den Europäischen Verkehr gebracht hat, ist der SprachgebrauchMinder streng geblieben, indem man diese letzteren, obschon sie konkrete Fettefind, auch mit dem Namen Oel belegt. Zur Unterscheidung von denätherischen Oelen, einer im Aeußeren ähnlichen, in ihrer Wesenheit aberverschiedenen Klasse von Körpern (welche unter 8. 71 dargestellt wer-den) bezeichnet man die Oele im obigen Sinn mit der Benennungfette Oele.
Dem Rohstoffe nach sind die Fette, abgesehen vom Erdpech undSteinöl, entweder Pflanzenfette und Pflanzenöle, mit denen wir unshier beschäftigen, oder Thicrsette und Thiervle (§. 76). Die Oele selbstüber zerfallen wiederum in trocknende und nichttrocknende (schmie-rige). Die ersteren sind solche, welche an der Luft sich rasch orydiren undUl einer wenig gefärbten, harten, firnißartigen Masse erhärten; zu die-sen gehören die Oele aus Lein-, Nuß-, Mohn-, Hanfsamen, Ricinus-,Wein- und Kürbiskernen, Sonnenblumen, Tabacks-, Baumwoll-,Föhren- und Tannensamen. Die nichttrocknendcn Oele bleiben,selbst in dünnen Lagen der Lust ausgesetzt, stets schmierig und werden^st nach sehr langer Zeit und wenn sie eine Gelegenheit finden mitbasischen Körpern eine Verbindung einzugehen, zu klebenden Massen.Zu diesen gehören Baum-, Rüb-, Mandel-, Behen-, Buch-Oel, Kohl-saat-, Madia-, Kastanien-, Haselnuß-, Pflaumen-, Kirsch-, Apfelkern-Und Senföl, die Oele aus Spindelbaumsamen, Hartriegelbeeren undErdinandeln. Der Versendung nach unterscheidet man Brenn-,speise-, Medizinal- und Fabriköle.
Da konkrete sowohl wie flüssige Fette ihrer inneren Beschaffenheitnach stets aus einem konkreten und einem flüssigen Antheil gemischtsind und? in neuerer Zeit die Trennung beider Antheile möglich gewor-