HZ8 IV. Klasse. Vegetabilische »lib thierische Stoffe.
rußenden Flamme. Wie die fetten Oele, zerfallen sie in zwei Klas-sen, in flüssige und konkrete Oele. Die ersteren sind sehr dünnflüssigund meistentheils farblos; die konkreten dagegen, die man gewöhnlichKamphcr nennt, krystallinisch. An der Luft orydircn sich die ätherischenOele sehr leicht; sie werden dadurch dickflüssig und braun, durch Bii-düng von Harzen, und verlieren ihren angenehmen Geruch. Sowohldas Pflanzenreich, wie das Thier- und Mineralreich liefern diese Oele'/doch ist es vorzugsweise das Pflanzenreich, welches dieselben in größterMannigfaltigkeit darbietet.
Die ätherischen Oele werden, außer zu Parfüms, Seifen und Fw-nissen, zu medizinischen Zwecken, Konditorwaarcn und Liqueuren, inneuerer Zeit auch als Bclcuchtungömaterial verwendet. Namentlichdie Verwendung zu Liqueuren, die Verarbeitung von Kümmel , Fenchel,Anis, Angelika und Absinth ist in Deutschland seit etwa 20 Jahreneine Hauptbeschäftigung der Fabriken für ätherische Oele geworden, in-dem die meisten Liqueure gegenwärtig durch Zumischung der ätherischenOele zum Spiritus bereitet werden. Leipzig , Halle und Erfurt bildenbei uns die Hauptsitzc des Handels mit diesen Produkten, und kannLeipzig auch als der Hauptsitz der Fabrikation der ätherischen Oeleangesehen werden. Diese Fabrikation erfordert allerdings eigenthümlicheDestillationsvorrichtungen, ist aber sonst mit keinen besondern Schwie-rigkeiten verbunden. Daß das südliche Frankreich bisher der Hauptsitzderselben war, erklärt sich natürlich daraus, weil verschiedene Haupt-Materialien (Jasmin, Reseda, Mandeln) dort in großer Fülle sich vor-finden. Indessen kommt das Rosenöl am meisten aus dem Orient.
Die Bedeutung dieser Oele für die Konditoreien ist groß. D>cVerwendung derselben zur Parfümfabrikation, wo bei uns die Kölmsch-wasserfabriken Hauptkonsumenten sind, wird unten in der XXIX. Klasstzur Sprache kommen.
Sehr schätzbar waren die Sammlungen parfümirter Oele, namentlich Jasmin-,Reseda-, Veilchen-, Jonquillcn- und Tuberosen-Oel, auch sehr feines Neroli- oderPomeranzenblüthen-Oel, — des nächst dem Rosenöl beliebtesten unserer ParfünU-rieöle— welche aus Graste im Bardcpartement vomDestillateur Mero, vonHugu^und Sohn und Anderen eingesendet waren. Der kleine Ort Graste versorgt fastganz Europa niit diesen Parfümerien, und verdankt dem Handel damit seinen Wohl-stand. Diese Oele werden mit vieler Mühe und Sorgfalt bereitet, indem man flacheKörbe mit dünnen Lagen feinen Fließpapiers auslegt, dieses mit dem (eben-falls von Mero ausgestellten) feinsten Olivenöl tränkt, und unn täglich frische Blü-then darauf streut, bis das Olivenöl (welches nachher kalt abgepreßt wird) ganz u>üden Wohlgerüchen gesättigt ist.
Reiche Sammlungen von ätherischen Oelen sandten der Malerfarben-Fabrika»lE- F. Haro aus Paris und Pierre Simounet aus Algier , sodann der Portu-giese F. M. C. Leal flüchtiges Lavendelöl, Rosmarinöl und Wachholderöl.
Besondere Seltenheiten, nämlich Nußöl in fester Gestalt und farbloses Wer-muthöl, zeigte der Apotheker Saluce von Chambery .
Callas aus Paris hatte ein werthvolles weißes und farbiges ätherisch^