Band 
Erster Theil.
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442
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442 il^- Klasse. Vegetabilische und thierische Stoffe.

vorgelegten Wolle» und ihres sich daraus ergebenden Gebrauchswerthes, stehen blei-ben. Sie muß vielmehr auch den laudwirthschaftlichen Standpunkt wahrnehmen, d. h>prüfen, mit welchen, Grade von Einsicht und unter welchen gegebenen Verhältnisse»die vorliegenden Resultate erreicht sind und wie sich diese Resultate zu den auf ihreHerbeiführung verwendeten Mitteln verhalten, namentlich also, wie hoch oder niedrigder Landwirth durch die Woll-Produktion das dazu erforderliche Futter verwerthet.

Dieser landwirthschaftliche Standpunkt fällt zugleich mit dem volkswirthschaft-licheu zusammen. Denn wie es im Interesse des allgemeinen Wohles liegt, durchrationelle Bewirthschaftnng die Erträge des Bodens zu erhöhen und durch die grö-ßere Erzeugung nicht nur eine reichlichere Nahrung für die Bevölkerung zu gewin-nen, sondern auch durch das stärkere Angebot die Produkte wohlfeiler und dadurchfür die ärmeren Klaffen zugänglicher zu machen, so ist es eben so ein volkswirth-schaftlicher Gewinn, wenn eine rationelle Züchtung und Pflege es dahin zn bringenweiß, daß nicht nur der eine, allerdings wichtige Zweck die möglichste Veredlungder Wolle erreicht, sondern zugleich von dieser edleren Wolle aus der Hautobcr-fläche des Schafes vielleicht ein halb mal mehr als sonst erzeugt wird.

Das Streben nach diesem Ziele ist in den letzten 10 Jahren in Deutschland vielfach sichtbar und mit Erfolg gekrönt worden. Wir finden davon namentlich Bei-spiele in den preußischen Provinzen Schlesien, Brandenburg und Sachsen . Aus derProvinz Brandenburg hatten Mögli», Rcichenow, Frankenfelde und Wolfshagcn, ausder Provinz Sachsen Haynsbnrg und Müncheühos, aus Schlesien Zweibrod undmehrere andere Schäfereien (von Chrzelitz war leider keine Wolle eingesendet) Fließezur Ausstellung geliefert, welche in dieser Beziehung die höchste Anerkennung verdienten.

Grade bei der Londoner Welt-Ausstellung wäre es zu wünschen gewesen, daßdie Beurtheilnng ganz besonders auch den land- und volkswirthschaftlichen Gesichts-punkt ins Auge gefaßt hätte. Dieser Wunsch ist indeß unerfüllt geblieben. Vondem Vorsitzenden der Jury sind bei der Beurtheilung der ausgestellten Artikel erfah-rene Londoner Makler als Sachverständige zugezogen worden. Für diese konnte ihrerStellung nach nur der merkantile Gesichtspunkt der allein leitende sein. Bei dergroßen Autorität, welche diese Männer mit Recht genieße», war es aber schwer, ihnengegenüber auch den anderen Gesichtspunkt zur Geltung zu bringen. So kam es,daß ihr Urtheil auf die Entscheidungen den größten Einfluß hatte und diese Ent-scheidungen vielleicht den Beweis liefern, daß auch die redlichsten Bestrebungen, welcheNiemand bezweifeln wird, oft der Einseitigkeit verfallen und von dem vorgestecktenZiele weit entfernt bleiben können!

Das Alpaka gehört zur Gattung Llania und ist in den GebirgsgegendenPeru's einheimisch; sein Wvllhaar kommt in schwarzer, weißer, grauer und braunerSchattirung vor und ist ausgezeichnet in Glanz, Glätte, Länge und Weichheit. DieseWolle wurde hauptsächlich durch Herrn T. Salt in Bradford seit den 1830er Jahrenin die Britische Manufaktur eingeführt. Seit der Zeit sind die Hindernisse ihrervortheilhasten Anwendung gänzlich überwunden und die Alpaka-Artikel gehören jetztzu den wichtigsten der Bradforder Wollwaareu. Die Einfuhr von Alpakawolle inEngland wird von 1836 bis 1840 auf 7000, von 184l bis 1845 aus 13000, vo»1845 bis 1850 auf 20000 Ballen jährlich angegeben, eine bedeutendere Ausfuhrvon Peru nicht geliefert werden können.

Die Versuche, das Alpaka in England zu züchten, sind noch zu keiner große»Ausdehnung gediehen, Prinz Albert K. H. hält eine kleine Heerde in Windsor n»dder Graf von Derby hat eine Heerde von etwa 60 Stück zu Koowsley. EineProbe von Gras Derby's Zucht war durch Herrn Salt ausgestellt. Wenngleich dieFortpflanzung des Thieres in England bis jetzt Schwierigkeiten dargeboten hat, s"hofft man dieselben doch bei genauerer Kenntniß mit der Lebensweise des Thiers i»seiner Heimath zu überwinden. Im Jahre 1851 hat man Versuche zur Einführung