Band 
Erster Theil.
Seite
853
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§. 247. Orgeln. tzZZ

bleibe» an dieser Stelle natürlich ohne Seitentatzen, man bringt diese dagegen weiterrückwärts für ein zweites Rahmenpaar an, das nur diese Register beherrscht n. st st

Bishop hatte eine sehr schön gearbeitete Zimmer-orgel mit Kompositionspeda-len in der Ausstellung, für welche ihm die Jury eine Ehrenerwähnung zuerkannte.

ES ist wohl kaum zu erinnern nöthig, daß die Ventile im Windkasten einerOrgel, welche dem Winde den Ausgang versperren, von dem Winde gegen die Aus-gangsöffnung gedrückt werden, und zwar mit einer Kraft, welche der Kompression desWindes im Windkasten gleich kommt, die durch die Höhe einer Wassersäule gemessenwird. Diese Waffersäüleuhöhe beträgt in Englischen Orgeln von 3 zu 11 Zoll.Wenn man z. B. die Breite der Oeffnung einer Baß-Kanzelte auf 30 Linien undihre Länge auf 14 Linien annimmt, so erhalten wir eine Oberfläche von 3S Qua-dratzoll und deshalb bei 3 Zoll Wafferhöhe einen Druck von wenigstens S PfundZollvereinsgewicht, welcher durch den Druck des Fingers auf eine Taste nicht mehrüberwunden werden kann. Große, weit mensurirte Stimmen kann man also schondeshalb nicht aufs Manual setzen, weil die Spielart für die Finger zu schwer würde.In der berühmten Orgel zu Weingarten ist, wie bei allen Deutschen Orgeln mehroder minder, der Mechanismus überhaupt so unbeholfen, daß sich alle zusammenge-koppelten Manuale nur von einem Riesen spielen lassen, und koppelt man das Pe-dal an die Manuale, so muß man sich mit seiner ganzen Schwere auf den Pedal-klavis stellen, um ihn vollkommen niederzudrücken. Um diesem Uebelstande, dersich jedoch in keiner Englischen Orgel in so auffallender Größe fand, wie in denmeisten Deutschen , abzuhelfen, hatte Hill im Jahre 1834 bis 1836 sein sinnreichesrotirendeS Schiebventil erfunden.

Statt des gewöhnlichen Ventils, welches die Kanzellenöffmiiig verschließt, indemes sie einfach bedeckt und durch eine Feder noch überdies an die Kanzellenöffnunggedrückt wird, schiebt sich hier das eigentliche Ventil, statt einer Ebene den Abschnitteines Cylinders bildend, von der Seite her über die untere Oeffnung des Ventil-körpers oder Kästchens, sich um eine Achse drehend, welche die Achse des Cylindersselbst ist, von welchem die Ventiloberfläche einen Theil ausmacht. Zu diesem Endemuß natürlich die Dentilöffnung so tief unter die Kanzellenöffnung gelegt werden,daß die horizontale Achse des Cylinders, um welchen sich der cylindrische Ventildeckeldreht, noch unterhalb der Kanzellenöffnung zu stehen kommt. Das Schwierigste beider Ausführung dieser Ventile ist, sie vollkommen schließend, also winddicht zu erhal-ten, ein Problem, das übrigens Hill auf eine sehr einfache, eben so sinnreiche alssichere Weise gelöst hat, eine Weise, die sich ohne detaillirte Zeichnung nicht vollkom-men verständlich machen läßt. Da hier das Ventil nicht von der Kanzellenöffnungabgehoben wird, also den einseitigen Widerstand der komprimirten Luft nicht zu über-winden braucht, so hat der Spieler mit Ausnahme des geringen Luftdruckes, der vonder Holzdicke des eylindrischen Veutildeckels herrührt, keinen anderen Widerstand zuüberwinden, als den der Feder und der Reibung des Abstraktnrwerkes in den Käm-men, und nur dadurch war es möglich, daß Hill in der von ihm in der Town-Hall zu Birmingham erbauten großen Orgel zur linken Seite des Hauptmanuals noch2^ Oktaven gewöhnlicher Tasten anbringen konnte, vermittelst welcher alle Pedal-stimmen mit ihren zwei riesigen 32 Füßen mit derselben Leichtigkeit gespielt zu wer-den vermochten, als die Manuälstimmen. Die Englische Society ok »rts hat demMeister auch dafür die silberne Preismedaille zuerkannt.

Neben dem Winddrucke, welcher die mechanischen Hindernisse der leichten Spiel-art bei großen Orgeln erhöht, finden sich noch andere Schwierigkeiten dieser Art inHinsicht des Trakturwerkes oder des Mechanismus, der die Ventile im Wiudkasten mit den

Tasten des Manuals in Verbindung bringt. Bei großen Orgeln ist die Entfernung vonden Windkästen oft sehr groß, und mit dieser Entfernung wird natürlich der Mechanismusimmer schwerer zu bewegen, denn die Abstrakten müssen durch Kämme oder Scheide» ge-