856 X- Klasse. Instrumente aller Art.
Ölungen wurden durch Tritte an der Seite der Pedaltastatur hervorgebracht. ESwaren da drei Pedale zur Koppelung des obern mit dem untern Manuale, entweder1, im Einklänge, 2. in der Ober- oder 3, in der Unter-Oktave. Ein Pedal zumTrennen der Mirtur und der Rohwerke vom Hauptmanuale; ein Pedal zur Koppe-lung des Pedals an das Manual endlich ein Pedal zum Schweller. Die Koppel-tritte waren Federtritte, so daß sie beim Niedertreten seitwärts gedrückt werden muß-ten, um sie fest zu halten. Die Orgel besaß noch überdies zwei horizontale Kom-pensationsbälge, die mit den zwei Reservebälgen in Verbindung standen. Neu wargewissermaßen die Verbindung dieser Bälge mit dem Reservoir. Der verbindendeWindkanal war nämlich sehr einfach in die Mitte der obern Balgplatte angebracht,und reichte gerade herauf in die untere Platte des Reservebalges. Da aber dieobere horizontale Balgplatte beweglich sein mußte, so war auch der Verbindungskanalgefaltet, wie ein langer sogenannter Laternenbalg; er verlängerte und verkürzte sichalso mit dem Sinken und Steigen der ober» Balgplatte. Für jeden Balg war einSchöpfer oder Balgzieher vonnöthen, wenn die Orgel voll gespielt wurde. DiePedalstimmen waren an der Seite der Orgel angebracht.
Der Mechanismus fand sich so fein und vollendet, daß z. B. in Bezug auf dieAchsen der Winkel und ihre Verbindung mit den Abstrakten das Werk eher dieArbeit eines Uhrmachers als eines Orgelbauers zu sein schien, weshalb aber auchder Preis der Orgel nngemein hoch ausfiel. Die Mensuren der Flötenstimmegwaren alle eng, und deshalb fand sich anch die Wirkung des ganzen Werkes nichtsweniger als majestätisch, vielmehr rauschend, plärrend und näselnd, wie alle altenund neuen Französischen Orgeln, und nichts weniger als angenehm für Ohren, anden vollen Klang der Deutschen und den Donner der Englischen Orgelwerke ge-wöhnt. Ducroquet erhielt für die Anwendung des pneumatischen Hebers die großeVerdienstmedaille.
Nachdem der glückliche Gedanke, dem Winde oder dem Balgetreter die Arbeitzu übertragen, mit welcher früher der Orgelspieler zu kämpfen hatte, einmal Wurzelgefaßt, schritt man mit seiner Erweiterung rasch vorwärts. Unser oft genannterHill hatte nämlich eine Orgel ausgestellt, in welcher, da seine Rollventile keinepneumatische Maschine nothwendig machten, dem Winde eine neue Arbeit übertragenwar, nämlich die des Registerziehens. Am ganzen Werke sah man keinen Re-gisterknopf; dagegen waren neben dem Manuale zur Rechten und Linken noch zweiReihen Untertasten angebracht, an deren Stirne der Name des Registers geschriebenstand. Ein leiser Druck mit dem Finger auf eine solche untere Nebentasie macht dasRegister ansprechen, ein zweiter Druck auf die darüber liegende Taste macht esverstummen.
Die kleinen Bälge oder pneumatischen Heber, welche die Arbeit des Register-ziehens zu verrichten hatten, waren oben zu beiden Seiten der Windlade angebracht,und nahe unter den Schleifen. Diese Heberbälge waren in England sogenanntehorizontale Bälge, hatten keine Charniere auf einer Seite, sondern die Falte lief,wie bei Laternenspanbälgen, rings herum. Jede Schleife hatte zwei solcher kleinenBälge an ihren freien Seiten. Der eine zog die Schleife heraus, der andere schobsie hinein. Zu gleicher Zeit war bei dieser musterhaften kleinen Orgel das Gebälkedes Gestelles, welches die Orgel oder die Windladen und das Pfeifenwerk trug, zuWindkanälen benutzt, und der höhere kleinere Balg, welcher den Wind von ItzölligerWasserhöhe für die Znngenwerke lieferte, hatte sein Sicherheitsventil in das Haupt-manual sich öffnend, so daß die ausströmende Luft nicht verloren ging, sondern unterniederem Drucke benutzt werden konnte. Zugleich war das ganze Werk nach Vog-lerschein Prinzipe sammt der eigentlichen Schweller-Orgel in einen Schwellerkastenmit den gewöhnlichen üblichen Jalousie- oder Venetianerklappen eingeschlossen, wodurchdie Wirkung des Orgeltones ungemein mannigfaltig nnaucirt werden konnte. Will.