§. 249 . Amerikanische, Deutsche und Schweizerische Pianoforte's. 873
das zu ihrer Kenntniß kam, zu benutzen suchten. Es waren nur zwei große Flügelausgestellt. Der eine von Chickering in Boston war von gutem Ton, ohne be-sonders ausgezeichnete Gleichheit der Skala, indessen erhielt er doch sür dieses In-strument eine Art von Ehrenerwähnung. Sehr gut war sein tafelförmiges Piano-fvrte, von einer vollkommen ausgeglichenen Skala, von präzisem, gut repetirendemAnschlage und klarem, vollem Ton. Die Kommission erkannte ihm eine Preis-medaille zu.
Der zweite Flügel war ein Doppelstügel von Pirsson, aus New-York , eineWiederaufnahme der sogenannten Vis-ü-Vis, wie sie Joh. Andreas Steinschon 1770 zu Augsburg verfertigte. Dieser Doppelflügel ist kein flügelförmiges In-strument mehr, sondern ein rektanguläres. Die Spieler sitzen einander gegenüber anden schmalen Enden. Der Ton, so wie die Spielart waren nichts weniger als aus-gezeichnet, dagegen besaß er eine Vorrichtung mit Rad und endloser Schraube stattder gewöhnlichen Stimmnägel, zum Stimmen der Saiten, die indessen, wie die ge-wöhnlichen Stiminnägel, im Stiinmstocke steckten und wirklich den allerkleinsten Platzeinnähmen, weshalb sie wirklich praktisch waren. Bei uns würde vielleicht der Preisihrer Anwendung entgegenstehen.
Für ein tafelförmiges Patent-Piano erhielt er eine Ehrenerwähnung.
Die Amerikanischen tafelförmigen Pianoforte sind wirklich ausgezeichnet gut ge-baut. Die Amerikaner bedienten sich zuerst der von Pape in Aufnahme gebrachteneisernen Saitenhalter und Stimmnägclplatten. Pape und Erard legten in ihrentafelförmigen Piano's auch vor den Baßsaiten, quer über das Piano, eine eiserneStütz- oder Strebschiene, und der Deutsche Pianofortemacher Karl Mayer vonPhiladelphia machte das ganze Rahmwerk bei 8gu»rcs aus einem Stück Eisen, dasdeshalb den ganzen Saitenzug allein übernahm. Trotz diesem eisernen Rahmwerkwar der Ton gut und das Spiel sehr leicht und gut repetirend. Auch Mayererhielt eine Preismedaille. Er machte seine Deckel mit doppelten Charnieren, um siean der vordem Seite sowohl als an der Hintern nach Belieben öffnen zu können.
R. Nunns und Clark, aus New-York , wendeten auch bei ihren tafelförmi-gen Piano's (sgnares) die Krenzlage einer Partie des Bezuges an. Allein dasBrechen und die veränderte Qualität des Dons ließen sich auch bei der größten Sorg-falt in dem Bcledern und Ausgleichen nicht sür irgend eine Dauer verhüten, des-halb ist man in England schon viel früher wieder von dieser Art des Bezuges ab-gekommen. Wegen der soliden Bauart, der ausgezeichneten Mechanik und des schö-nen Tones sprach ihm die Jury die Preismedaille zu.
Die meisten der ersten und berühmtesten Firmen Deutscher Pianofortebaukunst hattennichts von ihren Fabrikaten zur Ausstellung gesendet. Erstens, weil sie wohl wuß-ten, daß ein so zartes und doch dabei so gewichtiges Instrument, wie ein Pianoforte,immer im Nachtheile steht, wenn es, von einer weiten Reise herkommend, mit einemim Lande gebauten verglichen wird. Zweitens, weil ein Pianoforte, das in solchenAusstellungen nicht durch einen Sachverständigen beständig überwacht und in Ord-nung gehalten wird, schon bei der Vergleichung von vornherein verloren ist. End-lich drittens, weil sie die Forderungen der Engländer kannten, welche diese, durchihre großartigen Piauosortebauten verwöhnt, au ein Instrument dieser Art zu machenpflegen. Der Preis spielt dabei nur eine verhältnißmäßig untergeordnete Rolle, undwenn Referent, im Kampfe für seine Deutschen Fabrikate, den kritifirenden Englän-der zuletzt auf den außerordentlich niedern Preis deS Instruments aufmerksam machte,erhielt er beinahe immer zur Antwort: „das thut nichts zur Sache, das Instrumentist auch sür diesen Preis noch zu theuer." Der Engländer überhaupt und auch dieausübenden Virtuosen der Jury verlangten von jedem Instrumente, je nachdem sie