Band 
Zweiter Theil.
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H. 12. Allgemeines.

filzen, namentlich wenn man sich die Wolle älter als ein Jahr denkt.In der That findet man den Filz neben einfachen Geweben bei Noma-dcnvölkern, die ihn gewiß in der ältesten Zeit schon bereiteten, lind dasWaschen der Wollzcuge konnte nicht wohl erfolgen, obne daß man ausdas Walkeil oder die Verbindung des Filzens mit dem Weben gerieth.Die Ausstellung gab einen interessanten Ucberblick der Anwendung derWolle zu KlcidungSstoffen von der ältesten bis auf die neuesten Zeiten.Nicht als ob Muster aus alten Zeiten vorlagen, sondern weil in den ver-schiedenen Ländern, welche Einsendungen machten, die Entwickelung derWollverarbeitung von den srübesten Zeiten bis auf die unsrigen in allenihren Stufen sich vorfindet. Was Johann vo n M ülle r von der Ge-schichte überhaupt sagt, daß sie mit allen ihren Entwickelungsstufen in denverschiedenen Völkern der Erde gegenwärtig sei, das gilt auch vonden dünsten des Leibes und Lebens: sie sind gleichzeitig vorhanden in allendcil Modifikationen, welche Klima, Lage und Gestaltung des Landes, Le-bensweise, Bildung, technische Entwickelung, ja selbst die Eigenheiten derverschiedenen Völker verlangen und hervorgebracht haben. In der ganzenAusstellung waren überhaupt die Gewebe und insbesondere die Wollge-webe, wie sie gegenwärtig in allen Ländern der Welt gefertigt werden,wohl am vollständigsten beisammen. Asien hatte aus Ehina, Indien ,Pcrsien, der Türkei, Rußland eine große Zahl feinerer und gröberer,theilweise auch gefilzter Zeuge aus Wolle, Ziegenhaar und Kameelhaarzu Kleidungs flössen und Teppichen gesendet, veredelt bis zu der reichenSammlung von Shawls, welche die Ostindische Kompanie ausstellte, diebereits eine Rückwirkung der Europäischen Industrie auf die Asiatischewahrnehmen lassen. Diese Einwirkung zeigt zugleich den feinen Sinnund Geschmack der Orientalen. Sie führen alle Zeichnungen auf Shawlsin gebrochenen Linien aus, die dem Ganzen Weiche und Gefälligkeit ge-ben und ganz geeignet sind für ein Bild, das fortwährend bewegt wird,wie es beim Tragen eines Gewandes der Fall ist, wogegen die franzö-sischen Sbawls durch ihre scharfen Linien sehr weit bintcr den indischenzurückstehen. Afrika zeigte aus Tunis, Algier , Acgpptcn die Wollgewebeund Decken, wie sie von den Stämmen getragen werden, welche seit denältesten Zeiten dort in unveränderter Einfachheit der Sitte und Lebens-weise verharren. Auch manche Gewebe aus Ungarn weisen noch aus dieprimitive Wollverarbeitung seiner östlichen Einwanderer hin. Ueber dieseArbeiten einfacher Art erheben sich dann die tausendfältigen Woll-Gewebeder Industrie - Länder, in deren Reihe Rußland qualitativ mit theilweiseglänzendem Erfolge auftritt, wenn es gleich noch aus dem offenen Welt-märkte zu beweisen hat, daß die Arbeit der Leibeigenen ökonomisch zu kon-kurriren vermag mit der Leistung freier Arbeiter. Jedenfalls hat es in un-serem Bereiche die südlichen Länder Europa's überholt, und selbst Spa-nien , dessen feinere Tuche aus sächsischer Wolle gemacht waren. Daß die