8. 62. Pergament. 295
gendem Fleisch und Schmutz befreit, aufgespannt und getrocknet, dannschon Pergament im strengeren Sinne ist.
Die verschiedenen Bestimmungen aber, welchen das fertige Perga-ment unterworfen wird; bedingen bei Fertigstellung desselben einige Ab-weichungen. Bei Kalbfellen zu Trommelpergament wird mit den Haa-ren auch deren Narben entfernt. Solche, die Farbe erhalten, für Bücher-einbände bestimmt, werden ganz so wie die Trommelfelle behandelt, aufRahmen gespannt und getrocknet, dann aber schabt man sie auf beidenSeiten mit einem halbrunden Messer, dessen Schneide umgebogen wordenist, rein ab.
Den ursprünglich beinahe spiegelglatten Fellen wird dadurch eineetwas rauhe Oberfläche gegeben, und macht diese sie geschickt zur Auf-nahme von Farbe wie auch der Schreibtinte. Die Vorbereitung derFelle zum Färben wie zum Schreiben ist nämlich eine und dieselbe, sowieauch die für jene Pcrgamentsorte, deren man sich zu Schreibtafeln inBrieftaschen u. s. w. bedient, und welche die Schristzeichcn des Bleistiftesaufnehmen soll. Dieses Pergament namentlich wird, nachdem es aufbeiden Seiten abgeschabt worden-, mit einer mageren Bleiwcißölfarbe an-gestrichen, an deren Stelle man sich zuweilen auch einer Leimfarbe ausBleiwciß oder Kreide bedient.
Das Verfahren zur Darstellung des Schaafpergamcntes ist, unbe-deutende Abweichungen ausgenommen, genau das eben Beschriebene, unddeuten wir diese Abweichungen in Nachfolgendem näher an. In Eng-land ist allgemein üblich alle wichtigeren Aktenstücke statt auf Papier, aufPergament niederzuschreiben; dasselbe findet demnach in diesem Landeeine sehr vielfältige und sehr ausgedehnte Verwendung im Gegensatz zuandern Ländern. Zur Herstellung dieses Schrcibcpergamcntes bedient, man sich beinahe ausschließlich jener Fleisch- oder Aasseiten, die beimSpaltender Schaafleder gewonnen werden, und trifft bei denselben dieAuswahl, die von Natur aus fetten Felle für die Sämischgerberei, dienicht fettigen aber für Pergament zu bestimmen. Da diese Felle nunkeinen Narben haben, so bedarf es bei ihnen also auch keines Abstoßensdesselben, sondern blos einer Reinigung von anhängendem Fleisch,Schmutz und dergleichen. Aufgespannt und getrocknet, werden sie dannmit einem Kalkbrei überstrichen, zu dem Zweck der Entfernung allenfallsnoch vorhandener Fetttheile; daraus folgend mit dem bereits beschriebenenMesser auf beiden Seiten abgeschabt, mit Wasser abgewaschen und ge-trocknet, ist diese Pergamentsorte fertig.
Derartiges Pergament findet sich auf der Ausstellung von Evansund Söhne, W. Tomlin und vonI. I. Lever, Alle in London . DieAusstellungsstücke dieser drei Häuser sind sämmtlich so fein, rein und schönweiß, daß sie sich kaum vom Papier unterscheiden lassen. Außer diesemSchaafpergamente hat I. I. Lever auch solches von Kalbfellen ausge-stellt; dasselbe ist blau, grün, braun und in mehreren andern Nüancen