H72 XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei und Druckerei.
c. Der Wau, ein gelbes Pigment, wirk aus kein Kraut und denStengeln der auf ken Britischen Inseln, in Deutschland Ungarn, Italien ,Frankreich und Spanien heimischen Waurcseda (Uesocka Inteola ll.) einerSpecies derselben Gattung, zu der die angenehm riechende Reseda gehört,gewonnen. In Frankreich wurde früher viel Wau angebaut; er enthältviel und dabei ein sehr reines Pigment; ebenso geschah es bei uns,besonders in der Gegend von Halle, bevor die Qucrcitronrinde ihn ver-drängt hat; er war in der Spanischen Abtheilung ausgestellt. Die ganzePflanze wirk eingesammelt, sobalk kie Saamenbildung beginnt. Ihr gelbesPigment wird kurch Mordanls sirirt. Wall, in Spanien Ou.ilckagenannt, ist dort wie aus den kanarischen Inseln ebenso verbreitet wieder Krapp, unk wächst wilk. Die Preise sind je nach ken Provinzenverschieden. Alls der Ausstellung findet sich Wau aus Alicante zu13 Realen oder 3? Frcs. die Arroba ä 12ch Kil., aus Sevilla zu25 Realen, aus Zamora und Gerona zu 8 und 8^ Realen.
(I. Waid, >Voad, von ls-itis tiiictm'ia, einer Pflanze, welche,ineinem großen Theile des Europäischen Kontinents sowie in den süklichenGrafschaften Englands heimisch ist, etwa 3 bis 4 Fuß hoch wird und gelbblüht, war aus England, Deutschland und Spanien ausgestellt. Diealten Briten bemalten mit Waidsarbc ihren Körper, so wie die Schrift-züge in den Pachturkunden, welche mechanisch von einer Pachtzcit zur an-dern kopirt wurden, und in welchen der Bau des Flachses, Hanfs undWaids geregelt war. Auch in Spanien , in der ganzen Provinz Sara-gossa, wird Waid angebaut; eine Probe des gegohrcncn Waides (Kastei)war von dort eingesandt.
Der Schulze Gießler von Tröchtelborn bei Erfurt , in welcher Ge-meinde ein nicht unbedeutender Waldbau betrieben wirk, sandte 3 SortenWaid, in großen Ballen zu 5, in mittleren zu und in kleinen Ballenzu 6 Rtblr. für ken Eentncr; er war sehr sorgsam von allen fremdenTheilen gereinigt.
Der Waid ist die in Deutschland am längsten bekannte Färbepflanze,und mit seiner Anwendung beginnt das Gewerbe des Wollenfärbers, derheut noch den Namen Waid färb er führt. Er enthält blauen Farbstoff,dem Indigo gleich, nur in sehr geringem Grade, dessen Ausbeute indeßjetzt nicht mehr versucht wirk. Der Waid dient vielmehr nur als Mittel,um kie Gährung in der warmen Küpe zu bewerkstelligen. Die Blätterwerken entweder getrocknet in den Handel gebracht, oder einer Gäbrungunterworfen und dann in Ballen geformt. Jetzt ist die Anwendung derBlätter üblicher, mit denen allerdings ein sichereres Arbeiten möglich ist,als mit oft verdorbenem präparirten Waid; die Blätter haben aber dieUnannehmlichkeit, daß nur große Massen den Zweck erfüllen. Es müssenzum Ansatz einer Küpe mehrere 100 Pfund genommen werden, währendpräparirler Waid, dessen gute Beschaffenheit an einem frischen Pflanzen-geruch und an seiner Farbe erkennbar ist, einen geringeren Raum ein-