Band 
Zweiter Theil.
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474 XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei u»b Druckerei.

farblos wird, indem er Wasserstoff aufnimmt und wieder seine Farbe ander Luft erreicht, indem er Wasserstoff abgiebt.

Die andere von den Praktikern angenommene Ansteht ist die, rast derIndigo Sauerstoff abgiebt, sich dcöorydirt, und an der Luft sich wiederorydirt, wodurch er seine frühere blaue Farbe wieder erhält.

Der Indigo der Küpe giebt echte, dauerhafte Farben, doch ist esnoch nicht gelungen, die Farbe so schön herzustellen, als die des Indigo inseinem rohen Zustande. ES bleibt also hier nach zu verbessern übrig.

Um die warme Küpe, die in dauernd gutem Zustande zu erhaltenmanche Schwierigkeiten bietet, zu ersehen, ist die Zinnorydulküpc empfoh-len worden. In einer alkalischen Lauge wird metallisches Zinn mit In-digo gekocht, das Zinn nimmt Sauerstoff aus, und der Indigo wird lös-lich und särbbar. Da diese Küpen nur Vortheil gewähren, wen» sie inkleineren Gefästen angesetzt werden, so ist hierbei der Nachtheil, dast eingrvstcr Theil der Flüssigkeit mit der Lust in Berührung kommt, nicht zuvermeiden. Dadurch wird aber der Indigo der Küpe selbst wieder orydirtund verliert seine Farbfähigkeit. Dieser Umstand macht sie ökonomischunbrauchbar, und ihre Anwendung ist auch nicht häufig geworden.

2. In der kalten Küpe für Baumwollen- und Leinensärbcrei:durch Eisenorydul wird hier der Indigo rcduzirt und in Kalk gelöst. Infrüheren Zeilen wurden vielerlei Zusätze gegeben, wie z. B. Schwefel-arsenik, die aber alle als überflüssig erkannt worden sind. Das Blattder kalten Küpe wird durch Dämpfen bedeutend lebhafter gemacht, sodast durch diese ein schöneres Jndigoblau zu erzielen ist, als durch diewarme Küpe.

3. Durch Lösung des Indigos in Schwefelsäure. Der so berei-tete Indigo giebt keine echte Farben, doch wird er sehr häufig angewandt,weil auf sehr leichte Weise schöne Farben zu erzielen sind. Die Lösungwird entweder mit Wolle gekocht, so dast diese den reinen Farbstoff auf-nimmt, den sie dann leicht wieder in einer alkalischen Lösung abgiebt; esist dies die sogenannte Lappentinktur, Bläue; oder es wird aus ihr In-digokarmin bereitet. Die Fabrikation dcö Karmins verlangt graste Sorg-falt und dieser Artikel wird in grostcr Menge von Lyon und Paris nachDeutschland , namentlich nach den Berliner Färbereien gebracht. Erst inneuester Zeit ist es einigen Deutschen Fabriken gelungen, gute Waare zuliefern. Die Fabrikation ist ungefähr folgende: Der in rauchenderSchwefelsäure gelöste Indigo wird nach 48 Stunden mit Wasser verdünntund siltrirt, wodurch viele unreine Bestandtheile entfernt werden. Dannwird die Flüssigkeit mit Alkalien versetzt, wodurch der Indigo gefällt wird.Die Flüssigkeit wird nun abgelassen und der Satz auf groste Filter ge-bracht, wo er mehremale gewaschen wird und als Teig in den Handelkommt.

Außer den hier aufgezählten wichtigeren Farbkräutern lagen vor:Hyacinthen (Purple llorvers) aus Arrakan in Indien , wo sie zum