Band 
Zweiter Theil.
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z. 98. Zeichnungen für gewerbliche Zwecke.

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Abschnitt II.

Z.tichniiiigrn, Muster und Patronen für Stickereienund Dewebe.

§. 98.

Ueber Zeichnungen für gewerbliche Zwecke im Allgemeinen.

Die Form und Verzierung der Gcwcrbserzcugnisse ist die Seele, diegeistige Bedeutung derselben; ein Hausgeräth, ein Vorhang, ein Shawl,ein Festgewand soll in der seinem Zweck entsprechenden Form ein Bildzeigen, welches seiner Bestimmung entspricht, welches Harmonie mit Be-deutung verbindet, welche den Eindruck des Schönen macht. Der Menschbegnügt sich nicht, wie das Thier, mit der unmittelbaren Befriedigung deSBedürfnisses: was zu seinem Gebrauch geboten wird, soll auch seinemGeschmack, seinem Schönheitssinn, seinem geistigen Verlangen entsprechen.

In der alten klassischen Kunstcntwickelung der Griechen undRömer waren eine treffende Symbolik, eine figürliche Darstellung der Haupt-thätigkeiten der Menschen und die damit zusammenhängende Mythologiedie Hauptmotive aller Stoffverzicrung. Durch das Bestreben, die Zweckedes Erzeugnisses sinnbildlich auszudrücken, entstanden neue Motive derVerzierung; jedoch gaben die korrekten Werke der großen Bildhauer undMaler feste Grenzen der Willkür, welche man auch bei den gewerblichenErzeugnissen nicht übersprungen findet.

In den glücklicheren Perioden des Mittelaltcrs wurden in Ita-lien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien Dcssinstoffe gearbeitet, beiwelchen außer ihrer Schönheit und Kostbarkeit auch die Bestimmung desStoffes in der Dcssinzcichnung durch eine klare und kindlich-freundlicheSymbolik ansprechend und charakteristisch ausgedrückt ist. So wie dieIdeale des Schönen in der Raphaclschen Kunstentwickelung zu ihrem voll-kommensten Ausdruck gelangten, wie Raphacl selbst durch seine durch PapstLeo X. bestellten Kartons zu den Tapeten für die unteren Wände der sir-tinischcn Kapelle, Rubens und andere große Künstler den Uebergang dieserFormen und Farben in Bckleidungsstoffc förderten, wurden schon damalsVorbilder für die großartigsten Schöpfungen des Gcwerbslcißcs in Hin-sicht der Formen und Muster geschaffen.

Als das Charakteristische der movernen Dcssinzeichnung kann zu-nächst die Rückkehr zur Natur betrachtet werden. Insbesondere zeich-neten sich die Franzosen, welchen seit dem Abkommen der Deutschen undSpanischen Kostüme und seit dem Ausblühen der Industrie von Paris ,Lvon und Rouen eine Art von Moden - lind Muster-Herrschaft über ganzEuropa zufiel, und deren Dcssinateure schon seit dem 17. Jahrhundert