K. 98. Zeichnungen für gewerbliche Zwecke. 487
»eueren besseren Kunstwerke, auf dies unentbehrliche Zusammengehen desGcwerbsleißcs mit der schönen Kunst kräftig hinzuwirken.
Die im Zahr 1821 begonnenen, unter Beuth'S Leitung von dertechnischen Deputation für Gewerbe herausgegebenen „Borbildcr fürFabrikanten und Handwerker" (Berlin gedruckt bei Pctsch), enthalten inihrer ersten Abtheilung architektonische und andere Verzierungen, in derzweiten Abtheilung Geräthe, Gefäße und kleinere Monumente, in derdritten die Vorbilder für die Verzierung von Zeugen und für dieWirkerei insbesondere.
Die Mustcrblättcr wurden sämmtlich zu dem vorliegenden Zweck neugezeichnet, theils nach Bau- und Skulpturwerken, Altardcckcn, Meß-gewändern, Teppichen und Mustcrsabrikaten zu Aachen , Altenbcrgc,Arnstadt, Assist, Berlin, Brandenburg , Eislebcn, Essen, Gladbach,Granada, HildeShcim, Münster, Vorn und Soest , theils nach Abgüssenund vorhandenen Kupserwcrken.
Die Zeichnungen, welche eigene Kompositionen enthalten, undVorbilder für eine angemessene Anwendung sind, so wie die Erläuterungenzu den architektonischen Gliedern und Säulenordnungcn lieferte derdamalige Geh. Oberbaurath Schinkcl; die andern ZeichnungenW. Stier, Caspar, E. Boetticher, Mauch u. A. Der Stichder Platten wurde den besten Künstlern anvertraut, die sich dazu bereitfinden ließen; der Druck und die Kolorirung wurden von vorzüglichenAnstalten übernommen. Die bis 1830 erschienenen drei Lieferungenwurden damals zum ersten Theile mit 94 Kupfertafeln vereinigt; derzweite Theil erschien 1837 mit 54 Kupfertafeln.
Die Blätter wurden im Umfange des Preußischen Staates vomGewcrbedepartement an die öffentlichen Bibliotheken und die Oberbchörde»,welche die Gcwerbcsachen bearbeiten, an die Gewerbe- und Zcichnungs-schulen, und als Belohnung und Auszeichnung an Gewcrbtrcibendcunentgeltlich vertheilt; in den Buchhandel wurden sie nicht gegeben.
Im Lause der Zeit hatte die durch Schinkel und Benth hervor-gerufene Richtung die Ausbildung einer bedeutenden Zahl junger Künstler,meist seiner Schüler herbeigeführt, welche für Gcwcrbtreibendc, denenes um höhere Leistungen zu thun war, die Lücke mit Ehren ausfüllten,für deren Ergänzung jene verdienstvollen Männer Sorge tragen zu müssengeglaubt hatten.
Mehrere von ihnen versuchten sich in der Herausgabe von Vorlege-blättern, welche Anerkennung verdienten und von der Ecntralbchörde andie Provinzial - Gewerbschulcn, auch an talentvolle Dcssinateure undGewerbeschülcr vertheilt wurden, um den Zweck der Vorbilder zu er-füllen; oder sie lieferten auch dem Gcwerbstande auf Verlangen Entwürfefür bestimmte Zwecke ^). Im Ganzen ist hier mithin ein großer Fortschrittbemerkbar, indem die unmittelbare Verbindung der Gewcrbtreibcndcn mitKünstlern immer mehr an die Stelle der Lösung künstlerischer Ausgaben