8. 96. Zeichnungen für gewerbliche Zwecke. 4!)1
wcrbzeichnungSschulen verbunden, deren nächster Zweck es ist, Lehrlingeund Gesellen, welche sich bereits in irgend einem industriellen Geschäftebefunden haben, denen es aber darum zu thun ist, mehr als das reinempirische Verfahren ihres Industriezweiges sich anzueignen, zur Aus-bildung in demselben zu befähigen; außerdem verschaffen sie auch solchenJünglingen, welche sich in der Folge irgend einen, industriellen Zweigewidmen wollen, die Gelegenheit, sich dazu hinsichtlich des Zeichnens undder Muster zu erheben.
Der Niedcr-Ocsterreichischc Gewerbeverein beschloß ii» Mai l 84 4die Errichtung einer Anstalt zur Ausbildung in der gewerblichen Zeichnungfür Manusakturzeichner und junge Gcwerbsmänner unter dem Titel„Kopie-Anstalt dcS N. O. GewerbevercinS," welche zu Wien im Ja-nuar 1844 eröffnet wurde
Zu ihrem Unterhalte giebt der Verein jährlich 4000 Gulden; derRest der Ausgaben wird aus dein Schulgelde gedeckt.
Der Unterricht findet täglich Morgens und Nachmittags statt, mitAusnahme der Feier-, Sonn- und Montage. Jeder Schüler zahlt monatlich2 Fl. Honorar und ist außerdem verpflichtet, der Anstalt seine beidenbesten Zeichnungen zu lassen.
Sonntags findet in derselben Anstalt unentgeltlicher Zeichnen-Unter-richt für Handwerker aller Art und Montags ein besonderer Unterrichtfür praktische Tessinateure, die sich noch weiter bilden wollen, statt; andiesem können die Schüler der Hauptanstalt, so weit es der Raum gestattet,Theil nehmen. Tic Anstalt zerfällt in die Kompositions- und die Tekom-positionsklasse.
Die Kompositionsklasse setzt sich die Ausgabe, Musterzeichner sowohlfür die Wirkerei als für Druckerei auf Zeug und Papier auszubilden.Außer dem Vorsteher (jetzt Herr Schottner) sind noch 2 Lehrer; ersteStufe Zeichnung von einfachen Ornamenten, zweite Zcichnnng vonBlumen und schwierigen Ornamenten in Kreide, dritte Ausführungvon Blumen in Deckfarben, vierte Zeichnen nach Gpps, fünfteMalen nach lebenden Blumen, letzte Komposition von Webe- undDruckmustcrn.
Die TekompositionSklassc steht unter abgesonderter Leitung (jetztHerr Lindow); die Schüler werde» hier im Anfertigen von Patronenund im Beziehen der Stühle geübt. Nachdem sie Gewebe unter derLupe zergliedert haben, tragen sie ihre Bindung in Patronen ein. Diehöhere Stufe nimmt dieselbe Uebung nach blos gezeichneten Mustern vor.In einem besondern Zimmer stehen einige Webestühlc, welche sodannnach den gezeichneten Patronen zur Uebung der Schüler bezogen werden.In der Darlegung von Mustern und Veredelung des Geschmacks habensich insbesondere Professor Karl Rvsncr, Direktor der Kunst-Akademieund Sekretair der Abtheilung für gewerbliche Zeichnung, so wie Herr