504 XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei und Druckerei.
Außerdem waren einige nicht mit besondern Katalog-Nummernversehene Artikel aus dem Orient.
Wenn demnack die Zahl der Aussteller auch nur gering war, sobot doch das Ausgestellte hinlängliches Material dar, um den gegen-wärtigen Standpunkt der Gewerbe zu beurtheilen.
Bleichen, Färben und Drucken baben den Zweck, die Farben derthierischen oder pflanzlichen Faserstoffe, so wie der daraus gefertigtenGespinnste und Gewebe zu verändern. Während die Bleiche gewisse ausder rohen Faser befindliche Pigmente zu entfernen und denselben einweißes Ansehen zu geben strebt, beabsichtigen die beiden andern Opera-tionen mit diesen Materialien Farbcstoff zu verbinden. In den meistenFällen muß den Färberei- und Druckerei-Operationen eine Art vonBleiche vorhergehen. Zur Färbekunst gehört sowohl das Ausscheiden derfärbenden Theile (Farben) aus den vegetabilischen und thierischen Farb-stoffen und die Zubereitung der notbwendigen Beizen, als die Verbindungderselben mit den zu färbenden Gegenständen, Garnen oder Stoffen;doch haben sich in der modernen Zeit auch abgesonderte Fabriken (Farben-werke) für die Bereitung der Farben und Beizen gebildet und pflegen dieFärbereien und Druckereien einen Theil ibrer Farben bereits im ertra-hirten unmittelbar anwendbarem Zustande zu beziehen, so wie sie auchdie Beizen aus solchen Anstalten ankaufen.
In den gewöhnlichen Faserstoffen, Wolle, Baumwolle, Flachs,nimmt man, wenn sie durch ein bin länglich stark vergrößerndes Mikroskopbeobachtet werden, gewisse Vertiefungen, Zellen oder Poren von ver-schiedener Form wahr. Tbeils diese Unebenheiten, theils die chemischeVerbindung der Fasern mit den Farbstoffen, welche beim Bleichen gelöst,beim Färben zu Stande gebracht werden müssen, machen diese Künste sowichtig und schwierig.
I. Bleiche. ')
Wolle wie Seide, Baumwolle wie Flachs, enthalten im rohenZustande Farbestoffe und andere Beimischungen, welche ihrem Aus-sehen oder ibrer Anwendung hinderlich sind. Diese Farbtheilchen sindder Einwirkung chemischer Agentien leichter zugänglich, als die ani-malischen und vegetabilischen Fasern, mit welchen sie verbunden sind, sodaß sie ohne alle, oder doch ohne erhebliche Schwächung der Festigkeitder Fasern, Fäden oder Gewebe entfernt werden können, welche dieserReinigung bedürfen, um ihre Schönheit zu erhöhen und sie für die Fär-berei oder Druckerei geeignet zu machen.
Schon bei den alten Völkern, namentlich bei den Aegyptern ver-stand man, das Leinen dadurch, daß man Luft, Licht, Wasser und dieAusdünstung des Rasens auf dasselbe einwirken ließ, zu bleichen. ImMittelalter »baren besonders die Deutschen Niederlande wegen ihrerBleiche berühmt. Noch im siebzehnten Jahrhundert sandten die Eng-