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tz. 101. Garn- und Zeug-Bleiche im Allgemeinen.
länder und Schotten ihre rohen Leinen nach Holland , wo man dasBleichen durch mehrtägiges Eintauchen in eine Auflösung von Potaschc(Büken), dann durch Einlegung in Buttermilch und endlich durch mehr-monatlichcs Ausbreiten auf GraS (Rasenbleiche) bewirkte. Es warmeist Stückblciche, während in andern Gegenden, namentlich im Wupper-thal und im Schlesischcn Gebirge, die Garnbleichc und das Verarbeitendes weißen Garns vorherrschend wurde.
Eine der ersten Verbesserungen dieses langwierigen und nicht seltenmißlingenden Verfahrens war die in der Mitte des 18tcn Jahrhundertsdurch l)i-. Home zu Edinburg cingefübrtc Anwendung verdünnterSchwefelsäure an die Stelle der saueren Milch, durch welche der Prozeß,wegen der schnelleren Einwirkung dieses Bleichmittels, sehr abgekürzt wurde,die Festigkeit der Fasern aber mitunter litt.
Eine noch wichtigere Verbesserung entdeckte Scheele durch die An-wendung des Chlors, ums Jahr 1774. In Frankreich empfahlBerthollct dessen Anwendung bei der Bleicherei 1785 durch einenAufsatz, welchen er vor der Akademie der Wissenschaften in Paris vorlas,und kurz nachber wurde dies Verfahren in Schottland durch Watt ein-geführt. Um dieselbe Zeit führte Thomas Henrv von Manchesterdies Vcrfabren in Lancashire ein, und diesen Männern verdankt man inGroßbritannien die Vervollkommnung und Anwendung eines Verfahrens,durch welches in kurzen Stunden auf einem Platze von wenig Hundertenvon Q.uadratsuß' eine eben so große Masse, wie dieselbe nach dem altenVerfahren aus eben so vielen Morgen bätte ausgelegt werden müssen,gut gebleicht wird.
Das Chlor wurde zuerst in einem Zustande bloßer Auflösung inWasser angewendet; gegenwärtig wird dagegen Chlorkalk — in Englandgewöhnlich Blcichpulver (biegdiinA porvclei) genannt, zu dessen Berei-tung Tennant zu Glasgow 1799 ein Patent nahm — namentlich beiBaumwollblcichc, so wie Chlornatron bei der Lcinenbleiche allgemeinangewendet. Schwefligsaures Gas wird zur Bleiche von Wolle undSeide, sowie von Stroh und Federn angewendet.
Von Großbritannien verbreitete sich das neue, gewöhnlich als„Irische Bleiche" bezeichnete Verfahren nach Frankreich, Belgien undDeutschland, wo wir in Bielefeld und Erdmannsdorf Muster-Anstaltendafür besitzen.
Selten vergeht setzt ein Jahr, ohne eine neue Vervollkommnungim Verfahren oder den Geräthen für die Bleicherei , welche gewöhnlichzu Gegenständen der Patentertheilung — wenn auch nicht immer mitVortheil für die Patcntträgcr — gemacht werden. David, aus Paris ,nahm 1849 ein Patent auf ein cigentbümliches Verfahren, das Chlor-auf die zu bleichenden Gegenstände wirken zu lassen; darnach werden dieMaterialien zur Erzeugung des Gases in den Bleichen selbst in Bereit-schaft gesetzt; sobald das Gas erzeugt ist, wird es durch Röhren in eine