Band 
Zweiter Theil.
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tz. 101. Zeugsärbcrci.

denhcit der Wirkung dem Grade der Verwandtschaft, d. h. einer besondernAnziehung zwischen dem Faden und der sich daran befestigenden Farbentheilchen, zuschreiben. Was auch der Grund der Befestigung der Far-bentheilchcn sei, so ist doch gewiß, daß das bloße Aneinanderlegen sienicht bewirken kann; besondere Umstände sind nöthig, um sie zu Standezu bringen, selbst in den Fällen, wo die Vereinigung, wenn sie einmalgeschlossen ist, immer fortdauert. Betrachten wirB. das Eisenoxyd,welches der Baumwolle eine vollkommen ächte, dem Licht, der Seife,den Säuren und der Reibung gleichmäßig widerstehende ledergelbe Farbegiebt. Bringen wir ein solches Eisenoxyd oder ochcrartige Erde, vonwelcher wir im mineralogischen Theile der Ausstellung so viele Proben inmehr oder weniger gereinigtem, zum Färben vorbereiteten Zustandefinden, mit einem im Wasser eingetauchten Stückchen Baumwollenzeug inBerührung, so bildet sich keine Vereinigung. Wie fein auch das Oxydmechanisch zertheilt sein mag, und wie lange es in Berührung mit demFaden gelassen wird, es findet keine dauernde Vereinigung statt. Nachder mechanischen Theorie des Färbens erklärt sich dies durch die Vor-aussetzung, daß die festen Theilchen des Oxyds zu groß sind, um in diePoren oder Zellen des Gespinnstcs Hereinzugehen, oder wenn sie hercin-gehen, die Zellen zu groß sind, um sie festhalten zu können, ähnlich wieder Edelstein für die Fassung zu groß oder zu klein sein kann.

Zu gleicher Zeit dürfen wir nicht vergessen, daß wir einen blosphysischen Wechsel auf der Oberfläche des Gewebes hervorbringen können,welcher ein verändertes chromatisches Verhalten dieser Oberfläche, durchwelches dem Auge eine neue Farbe zurückgespiegelt wird, bewirkt. Nachziemlich allgemein angenommener Theorie ist die Bedingung des ächtenFärbens, daß das Oxyd frei in die Poren deö Gewebes eintrete; sodannmuß eine chemische oder mechanische Veränderung stattfinden, durchwelche das Farbenthcilchcn sich vergrößert, oder seine Gestalt verändert,so daß es festsitzt. Dies wird bewirkt, indem man das Eisenorvd aus-löst, das Gewebe in die eisenhaltige Auflösung taucht und während diePoren so gestillt sind, die Auflösung einer zweiten Zersetzung durch phy-sische oder chemische Mittel unterwirft, wodurch das Oxyd in seinenfrühern Zustand der Unauflösbarkcit zurücktritt, in welchem Falle esdauernd verbunden, d. h. eine ächte Farbe ist. Das gewöhnlich ange-wandte Auflösungsmittel ist Essigsäure, die Basis deö gewöhnlichen Essigs.Für den Gebrauch der Katninsärber und Drucker wird sie zubereitetdadurch, daß man Holz bei Rothglühhitze in verschlossenen Gefäßen destillirt.Hierin werden Stücke Eisen eingetaucht, welche sich nach und nach aus-lösen und das essigsaure Salz des Eisens bilden. Wenn dies aus denKattun gebracht, getrocknet, und der Luft für einige Zeit ausgesetzt ist,so findet eine Zersetzung statt; da die Essigsäure flüchtig ist, so verdunstetsie und das Eisenoxyd ist in einer unauflöslichen Form auf dem Fadenfür immer befestigt. Wir finden viele sehr schöne Proben von so ge-