Band 
Zweiter Theil.
Seite
508
JPEG-Download
 

50H XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei und Druckerei.

färbten und bedruckten Baumwollcnwaarcn auf der Ausstellung. DieserVorgang ist auch in unserer häuslichen Erfahrung nicht ungewöhnlich,da die Rostflecke auf Baumwolle oder Leinwand aus einer auf dieselbeWeise hervorgebrachten Farbe bestehen; ebenso die gewöhnlichen Tinten-flecke, sofern die Tinte eine Mischung von Eisen ist. Hinsichtlich derverschiedenen Farbstoffe und Farben verweisen wir auf den ersten Ab-schnitt dieser Klasse t §§. 95 — 97).

Das Mineral-, Pflanzen und Tbicrreich sind dem Färber gleichnützlich; auch die Fortschritte der Chemie und Physik sind für dieErfolge der Färberei höchst wichtig geworden, indem sie lehrten, farbigeOberflächen hervorzubringen, welche den Einwirkungen des Lichtes undden Luftveränderungen widerstehen.

III. Wir lassen noch einige Bemerkungen über die Zeug-Druckerei folgen, bevor wir die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen,sehr lebrreichen ausgestellten Proben lenken.

Es werden vier verschiedene Methoden angewendet, um Musterauf Zeuge zu drucken. Die erste ist der Handdruck, durch kleine Holz-klötze , auf deren Oberfläche das Muster cingeschnittcn ist. Die zweite istder Perrotinendruck durch größere Holzplatten, die auf zwei oder dreiFlächen gelegt werden, welche im rechten Winkel zu einander stehen, vondem Franzosen Perrot erfunden. Das dritte Verfahren geschieht durchKupferplalten, doch ist diese Metbodc jetzt beinabe ganz ungebräuchlich.Das vierte und gegenwärtig wichtigste Verfahren ist Walzeudruck, durchein System von Kupfercylindcrn, welche von einem sebr zierlichen abersebr zusammengesetzten Gehäuse umgeben sind, damit drei, vier undsogar noch mebr Farben in schneller Aufeinanderfolge, durch die Umdre-bung der Maschine, welche durch Dampf- und Wasserkraft getriebenWirt, gedruckt werden können. Die Leistung einer solchen Druckmaschineist sehr groß, sie steigt bei einigen Maschinen zu einen, Stück in der Mi-nute oder einer Englischen Meile Zeug in der Stunde. Die fünfte Farbewird gewöhnlich durch den sogenannten Oberflächencylinder (surlscorotier), d. i. eine Walze mit erhabener Verzierung, hervorgebracht.

Die Hand-Druckformen macht man aus dem Holze der wildenFeigen oder aus Birnbaumbolz, noch häufiger wird Fichtenholz mitBirnbaumholz plattirt; sie sind gewöhnlich zwei bis drei Zoll dick, neunbis zehn lang und fünf breit, mit einem starken Griff an der Rückseite,um sie daran anzufassen. Auf der Vorderseite des Klotzes ist entwederdas gewünschte Muster, wie aus einer gewöhnlichen Holzplatte, in Reliefgeschnitten, oder cö wird durch kleine Stifte von plattgeschlagcnem Mes-singdraht gebildet, deren Spitzen in das Holz eingesetzt sind. Die Stiftewerden aus dünnen Mctallftäbchen gefertigt, welche, nachdem sie aufeiner Seite glatt geschliffen worden, zerschnitten und in die beliebte Formgebogen, und dann durch Hammerschläge in die auf dem Holze gezogenen