§. 104. Gefärbte Wollgarne, insbesondere Stickgarne. 521
geschästs von dem kanfmäniiischcn Betriebe als eine immer nothwendiger werdendeAnordnung sich herausstellt. Es hat der große Fabrikant seine ganze geistige undmaterielle Kraft auf Herstellung eines billigen und schönen Fabrikats zu richten, unvwas ihn davon abzieht, muß nachthcrlig aus diesen Hauptzweck einwirken. Die Ka-pitalien aber, die das Verkaufen „nd Kreditiern in kleineren Posten erfordert, sindgerade diejenigen, die sich ihm am geringsten vcrintcrcssire», und die dem Fabrikanten,wenn er nicht mit kolossalen Mitteln ausgestattet ist, den Fabrikbetricb sehr erschweren,
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Gefärbte Wollgarne, insbesondere Stickgarne.
Obgleich sich schon die ältesten Völker mit Stickereien beschäftigten,so beschränkten sich diese hauptsächlich nur aus Arbeiten, welche mit Seidegestickt wurden, und zwar in dem sogenannten Plattstiche, einer Arbeit, dieeine gewisse Meisterschaft und Kenntnis! von Zeichnung und Malerei erforderte. Aus diesem Grunde und weil die Materialien dazu zu kostbarsind, blieb die Stickerei damals eine Beschäftigung der Hähern Ständeund konnte für den größer» Theil der Bevölkerung civilisirter Nationen,für die mittlern und geringeren Klassen nicht zugänglich werden.
In England begann man zuerst in den Jahren von 1820 — 30feines 4 fach es wollenes Garn, in Schattirungen von mehreren Nuancengefärbt und in kleineil Döckchen abgetheilt, in den Verkauf zu bringen.Die Farben aber waren äußerst mangelhaft, und da sich Berlin seit langerZeit in seinen Leistungen der Schattirungsfärbcrei ausgezeichnet hatte, sokonnte es nicht feblcn, daß dieser neue Artikel alsbald ausgenommenund in vollkommneren Farben sowohl, als auch in vorzüglicherenund zum Sticken sich mehr als jene Englischen eignenden Wollgarnen,geliefert wurde. Während die Englische Wolle hart und undchnbar unddünn von Faden ausfiel, lieferten unsere Deutschen und namentlich dierühmlichst bekannten Spinnereien von Gotha , Eisenack und Langcnsalza,dagegen ein von edler Deutscher Kammwolle gesponnenes Garn, vonrundem, zartem, losem, fast durchsichtigem Faden, welcher im angezogenenZustande so fein ist, daß die feinste Stickerei damit auszuführen ist, dieeine Sammetweichheit besitzt. Es wurden diese Eigenschaften sebr baldallgemein anerkannt. England war gcnötlugt seine Stickwollcnfabrikativnfallen zu lassen und die nun an den Markt gekommene sogenannte Zephyr-oder Berliner Wolle von Berlin zu beziehen.
Die geringen Kosten und die Schönheit der Farben sowohl als desMaterials waren die Mittel, die Stickerei zu einer Beschäftigung derganzen Frauenwelt aller civilisirtcn Nationen zu machen, und wie eineNeuerung nie allein bleibt und andere immer im Gefolge hat, so konntees nicht fehlen, daß die Kanevas-Fabrikation ebenfalls nicht zurückblieb,und neben den bisher üblichen kostbaren seidenen und ganz-leinenenKanevas, eben so billige als vortrefflich gearbeitete baumwollene Kanevas