Band 
Zweiter Theil.
Seite
523
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tz. 104. Gefärbte Wollgarne, insbesondere Stickgarne. 523

der Engländer auf die Berliner Garne die Fracht bis Hamburg und dienicht unansehnlichen Platz - und Provisionsspcsen der Hamburger Mittel-Spediteure zu tragen hat, an sich gezogen, so daß sie thatsächlich gegendie Berliner Fabrikation einen bedeutenden Vorsprung haben, um somehr, als sie bis zum Jahre 1846 allein ihre eigenen Färbereien besaßenund die daraus hervorgehenden Vortheile genossen.

Dies bewog das HauS Bergmann und Comp. in Berlin , 1846eine Dampffärberei zur Anfärbung des eigenen Bedarfs aller SortenSeide und wollener Stickgarne zu begründen. Diese Anlage enthälteinige zwanzig Farbkcsscl, und sämmtliche Schattirungen Zepbvrwollcwerden darin in einer solchen Vollkommenheit angefertigt, daß ihrer, zurLondoner Ausstellung 1851 eingesandten Farbcnkarte von gefärbter'Zephyrwolle die PreiSmcdaille und zwar die Einzige in dieser Brancheverliehen wurde H.

Den größten Umsatz in diesem Artikel machen außer dem genanntenHause die Herren Hertz und Wegen er auf dem Berliner Platze.Es verdient bemerkt zu werden, daß man bis vor wenigen Jahren derMeinung war und theilweise noch ist, daß Zephyrgarnc nur in Deutsch-land zu erzeugen seien, denn nicht nur seien dazu die edlen SortenDeutscher Wolle nöthig, sondern hauptsächlich könnten unsere Deutschen Handkämmereien von keiner andern Nation nachgeahmt werden und seidieses eine Eigenthümlichkeit der Deutschen Industrie.

BcidcS aber hat sich leider in der neueren Zeit als nicht stichhaltigerwiesen, denn während sich die Australischen Wollen vortrefflich zudiesem Artikel, namentlich wegen ihrer schönen weißen Farbe eignen, sinddie neuesten Englischen und Französischen Kamm-Maschinen bereits zueiner solchen Vollkommenheit gediehen, daß sie schon jetzt, wo sie nochvieler Verbesserungen fähig sind, in manchen Beziehungen die Arbeitender Handkämmerci übertreffen und, wie jede Maschinen-Arbeit, einengeringeren Arbeitslohn erforderst. Außer der Berliner Wollgarn-Spin-nerei des Herrn Chr. Heinr. Schwendy, der bereits mit einerKamm-Maschine arbeitet, giebt es in Sachsen schon bedeutende Ma-schinen-Kämmereien, namentlich in Großenhayn die eines Englischen Hauses und in Leipzig die der Herren Trinius Söhne.

Wenn nun auch gegenwärtig die Australischen Wollen eben sohoch, wenn nicht höher im Preise stehen, als unsere Deutschen , soberuht dies auf dem zufälligen und momentanen Umstände, daß dieHeerden in Australien , wegen der Manie der Einwohner nach Gold zusuchen, vernachlässigt sind und aus diesem Grunde vcrhältnißmäßigweniger Wolle von dort erportirt wird. Indessen kann es nicht setzten,daß binnen Kurzem die Ausbeutung der Goldmincn geregelt sein wirdund die Arbeitskräfte sich alsdann der Landeskultur wieder zuwendenwerden. In diesem Falle wissen wir aus Erfahrung, wie auffallendbilliger sich dann die Australischen Wollen, wenn sie in den gewöhnlichen