Band 
Zweiter Theil.
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524 XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei und Druckerei.

immensen Massen in London zu Markte kommen, gegen unsere Deutschen Wollen stellen, und ist dann sehr zu befürchten, daß England, ausgerüstetmit seinen Kamm-Maschinen, den Artikel der Zcphyrgarne, wofürbisher Deutschland so zu sagen das Monopol hatte, ganz an sichreißen werde.

In diesem Falle bleibt es nur zu wünschen, daß auch Deutsche Hafenplätze sich mit dem Importe der Australischen Wollen befassen möge»,um die Deutsche Industrie ->>> i>ivo.i„ der Ausländischen zu stellen und sienicht zum Sklaven der Englischen Märkte zu machen, was wenigstens3 oder 4 Prozent Spesen auf das rohe Material beträgt.

Wilhelm GrüneEhcmikcr und Leiter eines chemischenLaboratoriums für Färberei und Druckerei in Berlin , zeigte eine Musterkarte gefärbter Wollcngarne in Ponceau, Karmoisin, Rosa, Gelb,Grün, Violett, Braun, Schwarz und anderen Farben; diese Farbenwaren mit verschiedenen vom Aussteller neu erfundenen Kompositionen zumWollfärbcn in einem Bade und in einer Operation, ohne vorherigesAnsiedcn oder Anbeizcn hervorgebracht.

Im Ncbrigcn boten die in der folgenden Klasse zu erwähnendenBerliner Stickerciarbeiten auch noch hinlängliche Gelegenheit, die vor-züglichen Leistungen der Berliner Garnfärbcrci zu beurtheilen, die fürGarnfarben in allen Schattirungcn, ombrirten und chinirten Farben, denhöchsten Ansprüchen genügt.

Im Englischen Departement < XVlll. 62) hatte der FärbcrcibesitzerPhilipp I. Chabot, Spitalsiclds, London , eine Sammlung der in seinerFärberei gefärbten streichwollencn, Kamm - und Zephvrgarne (llei-Ii»->V„„I), so wie auch gefärbte baumwollene und leinene Zwirne und Näh-seide in mannigfachen Farben und Schattirungcn, namentlich Scharlachund Karmoisin ausgestellt. Die auf Baumwolle und Leinen angebrachtenFarben waren zum Theil von einer neuen Anwendung bekannter Farb-stoffe; die Farben von Eichvrien wurden als neu zur Ausstellung ge-bracht; seine Hauptleistungen bestanden indessen in Webegarncn.

Bedeutender für Stickwollc war die Ausstellung von O.uitzow,Schlesinger und Comp zu Bradford; insbesondere zeigten dieselbeneine recht schöne Olivenfarbe, während ihre Proben in den Hauptfarben,blau, grün, roth und gelb — welche überhaupt nur als die Resultatevon Versuchen anzusehen sind — mit den Berlinern nicht in die Schrankenzu treten vermochten. Der beste Beweis für die Superiorität der letzterenbesteht in den nicht unbeträchtlichen Bestellungen, welche in diesem Artikelvon Bradford nach Berlin gelangen. So hoch sich Bradford in neuererund neuester Zeit in der Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei gezeigthat, so wenig ist es hinsichtlich der Garnfärbcrci zu fürchten, welcherschon der dortige Mangel an reinem Wasser und reiner Luft entgegensteht,eine Schwierigkeit, welche auch in London diese zarte Färberei ungemeinerschwert.