568 XVIII. Klasse. Farben, Muster, Färberei und Druckerei.
bietet ihnen jetzt die Chinefärberei, die aus verschiedene Weise bewerk-stelligt wird, so daß ein Faden ganze Farbenschattirungen und die ab-stechendsten Farben enthalten kann.
Auch in den einfachen Farben hat Frankreich und namentlich Lyondas Höchste geleistet; diese Farben sind von einer Zartheit und Lebhaftig-keit, die von keinem andern Lande übertreffen ist.
So waren von dem schon (oben S. 536 u. unten S. 573) erwähntenFärber H. I. Guinon zu Lyon , prachtvolle Farben in zahlreichenSeiden- und Wollstoffproben und einem chromatischen Gemälde ausge-stellt, bei denen das Gelb, aus Pikrinsäure, Aufsehen erregte. Auchdas Grün, Gelb und Weiß aus den Seivenzeugen des FabrikantenL. Gindre zu Lyon , Nr. 1247, war sehr schön. Die schönen kaliblaucnSchatten und ein brillantes Violet verdienen besonders erwähnt zu werden.
Die Pariser Shawls haben ihren Ruf auf der Ausstellung wiederumbewährt; bei diesen ist weniger der Glanz und vie Lebhaftigkeit der Farbe,als vielmehr die Harmonie, der gleichzeitige Effekt der verschiedenenFarben, entscheidend.
Es cristirt hierüber, neben dem Gefühl, auch eine bestimmte Lehre;der Professor Chevreul , Direktor der Färberei der Gobelins,hat ein sehr schätzenswerthes Buch, „s»r le contraste simultane ckescouleurs" geschrieben, das, durch Abbildungen erläutert, sehr gute Anlei-tung giebt.
Besonders bevorzugt sind die Französischen Shawls-Fabrikantendadurch, daß sie für die ganze Welt arbeiten. Während wir in unserenZusammensetzungen immer den Geschmack unseres Landes berücksichtigenmüssen, kann der Franzose in seinen Zusammensetzungen viel kühnersein; gefällt der Geschmack nicht in dem einen Lande, so gefällt er dochin dem andern. Aber diese Freiheit in der Ausführung giebt dem GenieGelegenheit daS Schönste zu leisten.
Von der Gobelins-Manufaktur waren wunderschöne Farbcnkompo-sitionen ausgestellt; ihre Färberei bringt alle nur denkbare Schattirungenin höchster Reinheit. Sie ist zu gleicher Zeit eine Bildungs-Anstalt fürjunge Färber, die hier unter bester wissenschaftlicher und technischer Lei-tung umfassende Versuche machen.
Die Entwickelung der Färberei in Frankreich ist sehr befördertworden durch die Aufmerksamkeit, welche seine größten Chemiker ihr zu-gewendet haben; schon im vorigen Jahrhundert haben Vertheilet undChaptal, und in neuerer Zeit Girardin, Persoz, DumasundAndere sich mit der Färberei beschäftigt, ja in den bedeutendsten industriellenPlätzen sind Laboratorien unter tüchtigen Professoren ausschließlich fürFärberei eingerichtet.
Der Eindruck einer großen Vollkommenheit der Französischen Fär-berei oder doch mindestens der Anwendung der Farben, war besondersbei den Shawls mächtig. Diese waren in der That so reizend und