§. 109. Vergleiche über Färberei in den verschiedenen Ländern. 569
geschmackvoll, von so lieblicher Harmonie der Farben, daß sie unerreichtda standen. Dies gilt namentlich für Pariser Shawls. Sehr glücklichsind die Franzosen auch in Nachbildungen; so waren die kunstvollen indi-schen Shawls täuschend imitirk.
Am meisten Anerkennung und die größte Bewunderung fanden undverdienten die künstlichen Blumen. Bei diesen sind die Farben der Naturabgelauscht, und mit einer Treue wiedergegeben, die oft nicht unter-scheiden läßt, ob es wirkliche oder nachgeahmte Blumen sind. Dabei sinddie Farben aus die verschiedensten Materialien gebraucht, aus Gelatine,Papier, Wolle, Seide rc.; oft sind die Farben schillernd erzeugt, oft nurein farbiger, seiner Staub aufgetragen. Es zeigt diese Blumenfabrikationeine Kunstfertigkeit, die nicht genug gerühmt werden kann.
Die Färber in Frankreich sind erfinderisch, sie rufen fortwährendNeues hervor, und greisen so dem Fabrikanten unter die Arme. Diegrößte Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse der Färberei durch mechanischeMittel bervorgerufen, ist in Frankreich erfunden: so die Ombre-Färbcrci,die große Sensation gemacht hat; ferner die Chine-Färberei, in welcher einFärber, Warmont aus Neuilly-für-Seine, unter Nr. 1048 seine Ar-beiten ausgestellt hatte: sie bewiesen die verschiedenartige Anwendung,welche diese Färberei zuläßt.
III. Die Färberei und Druckerei in Deutschland hat sich frühereiner solchen Förderung von Seiten der Kunst und Wissenschaft nicht zuerfreuen gehabt, wie dies in Frankreich der Fall war.
Unsere großen Künstler hielten es früher unter ihrer Würde dieDessins und Farben bei der Fabrikation einer eingehenden Kritik durchdas Auge der Kunst und einer näheren Einwirkung zu unterwerfen. In-dessen kann man rühmen, daß durch die oben (S. 486 und 502) geschil-derten Bemühungen Schinkels und gesinnungsverwandter Künstler einebedeutende Hebung des Formensinns und der Farben auch in der gewerb-lichen Sphäre eingetreten ist.
Nicht geringer sind die Dienste, welche in neuerer Zeit die Wissen-schaft namentlich durch die Bemühungen Hermbstädts, Runges,v. Kurrerö, Schubarths und Anderer, den schwierigen Verfahrender Färberei und Druckerei geleistet hat.
Auch Deutschland besitzt gegenwärtig in Berlin, Augsburg , Chem-nitz, Elberfeld, Ludwigsburg, Lörrach , Eilcnburg Anstalten dieser Art,welche denen des Auslandes in Nichts nachstehen, und welche auch durcheigne Musterzeichner, Gravir-Anstalten und Laboratorien in den Formenund Farben und deren Zusammensetzung selbstständig produzircnd auftreten.Namentlich haben die Deutschen Garnfärbcreien in Wolle und Baum-wolle, so wie auch gefärbten Wolltuche und Seidenwaaren bis zu denentferntesten Märklen der Welt hin den Ruhm unserer Färbekunst verbreitet.
IV. Belgien lieferte nicht blos in Tuch- und Buckskinstoffenausgezeichnet gute Farben, sondern vorzügliche Erwähnung verdienen auch