Band 
Zweiter Theil.
Seite
571
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tz. 109. Vergleiche über Färberei in den verschiedenen Ländern. 571

gebildet. Die ächten Shawls sind Stickereien auf einem leichten wolle-nen Stoff, die zu ihrer Anfertigung unendliche Mühe und viel Zeit erfor-.dern. Die Farben selbst sind selten brillant und gewinnen nur durch ge-schmackvolle Zusammensetzung, aber sie sind meist recht ächt und aus inlän-dischen Pflanzen bereitet.

Aus China waren in Seidenstoffen recht schöne Farben, gleichfallsnur aus Pflanzen bereitet; die Anwendung vieler Salze und Mineralienscheint dort noch ganz unbekannt zu sein; dadurch fehlten natürlich vieleFarben. Die Wollenfärberei ist noch weniger kultivirt als die Seidcn-färberei. Die berühmten Nankins waren ausgestellt. Die gelbliche Farbewird dadurch erzeugt, daß der Stoff in einer Abkochung von Baum-blättern behandelt wird.

XV. Aus Nord-Amerika waren Shawls und gemischte Stoffeausgestellt. Die Farben waren vollkommen gut; denn, angemessen dengroßartigen Fabrik-Anlagen bei Lowell z. B., sind auch Färbereien errichtetworden, von denen mehrere von Deutschen geleitet werden.

Wenn wir nun am Schluß dieser Darstellung eine Ansicht über dieStufen der wichtigeren Völker in diesem Zweige der technischen Bildungaussprechen sollen, so müssen wir den Franzosen sowohl in dem Schön-heitssinn bei der Auswahl und Gruppirung der Farben, als in derTüchtigkeit der Ausführung durch Färberei und Druckerei den ersten Rangeinräumen. Die frühe und glückliche Ausbildung ihrer Dcssinateure, dieenge Verbindung ihrer bessern Maler mit den Fabrikanten, der Muster-schutz, die regelmäßig wiederkehrenden großen National - Ausstellungen,der dankbare Absatz auch der kostbarsten Erzeugnisse — alle diese mächtigenEinflüsse haben seit mehreren Menschenaltern der Nation diesen wichtigen,weit über das Gebiet der bloßen Fabrikation hinausgehenden Vorsprunggegeben: er bildet vielleicht das bedeutendste derjenigen Momente, aufwelche hin die Franzosen sich mit Stolz das an der Spitze der Civilisationstehende Volk nennen, und ihre Moden von der ganzen Welt nach-ahmen sehen.

Die Deutschen werden in den künstlerischen Leistungen, was denAdel des Gedankens und die Schönheit der Formen betrifft, gewiß vonkeinem Volke übertreffen; auch unsere Farbenfabriken stehen, was dieQualität betrifft, gewiß nicht mehr zurück: möge es dem vereinigtenWirken unserer Bildungs-Anstalten, — unter welchen wir gute Dessi-nateurschulen noch in den Deutschen Ländern gänzlich vermissen, —unserer Künstler und Gewcrbtreibenden, verbunden mit entsprechendenVeranstaltungen der Regierungen, — unter denen die regelmäßige Wieder-kehr der leider zu lange unterbrochenen allgemeinen Deutschen Gewerbe-Ausstellungen ein Hauptmittel sein würde, — gelingen, auch bei uns eineraschere Hebung im Dessinzeichnen, in den Farben und Mustern, und dieselbstständige Entwickelung des Teutschen Styls in diesem Gebiete zu