Band 
Zweiter Theil.
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665
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8. 134. Putz- und Mvbrwaaron, Alcldnngöstnckc fiir Damru. 665

stehen bei der Anwendung dieser Stoffe durch deu verschiedenen Grad derGeschmucksbildimg und Geschicklichfeit, welche wiederum Von der größerenoder geringeren Entwickelung der lneraus gerichteten Anlagen dcS Geistes,des Auges und der Hand abhängen, Der Geschmack ist der entscheidendeFaktor bei allen Bestrebungen nach schönen Formen und nach einer zu-sagenden Ausschmückung, wenn die Mittel und Methoden der Darstellunggleich fortgeschritten sind; und selbst wo dies nicht der Fall ist, erscheintder gute Geschmack wichtiger, als die Opulenz in den Hülfsmitteln,

Die große Ausstellung bot in dieser Beziehung durch die Nebeneinandcrstellung von Modeartikeln aller gebildeten Völker der Erde einaußerordentlich günstiges Hülfsmittel zur Ausbildung und Veredelungdes Geschmacks auch für Kleiderschmuck dar,')

') Ueber die Stickereien verweise» wir auf das oben <11, S, -105 », 58t > mitgetheilte,2) Nr, Ghillauy eine Tour »ach London , Nürnberg 1853 I, S, 222,

Ueber die Geschichte dieses interessante» Etablissements, für welches seit sechsJahre» durch nnser» architektonischen Berichterstatter Stein das sehr schöne undzweckmäßige Lokal am Werdcrschc» Markt erbaut wurde, ist uns Folgendes mitgetheilt:Das Geschäft nmfaßt alle Artikel der Damengarderol'e mit Ausnahme der Kleider-und Putzmacherci i, eng, S.; auch werden einige andere Modewaaren und Herrengarde-robc-Artikel geführt. Zuerst brachte man Muster und Modelle für Stoff und Schnittvon Frankreich mit und veranlaßte die Fabrikanten dnrch große Bestellungen,Stoffe danach anzufertigen, was khcilweise sehr gut gelungen ist. Zugleich legte manzuerst in kleinem Maßstabe die Werkstätten für die Näharbeit, Zusammensetzung undAppretur an und bildete die Direktesten für dieselben aus. Die Verzierungen, womitkonfektionnirte Artikel ausgestattet werden, Gimpe», Frangcn, Borten n. s, w,, ließmau ebenfalls im Jnlande anfertigen »nd machte durch Anregung eine« intelligentenBerliner Posamenticrwaaren-Fabrikanten, die betreffende Branche auch dieses Industrie,Zweiges in Berlin heimisch, wo erst seitdem mehrere andere Geschäfte dieser Art ge-gründet worden sind, Anf diese Weise suchte man diese ganze Fabrikation so vielals möglich vom Auslande zu befreien und brachte es dnrch ein beharrliches Strebe»soweit, daß nicht mehr nöthig war, nur nach Pariser Modellen arbeiten zu lassen,sondern daß man in konfektionnirte» Artikeln mit eigenen Ideen und Erfindungen auf-treten konnte, welche sich eines »»gemein glücklichen Erfolges erfreut habe». DerAbsatz in dieser Branche erstreckt sich jetzt außer ganz Deutschland auf Rußland (Pe-tersburg, Moskau, Warschau, Minsk, Riga, Reval, Narva, Mitau ), Oesterreich(Pesth, Kraetz, Prag, Wien, Trieft, Venedig), Schwede» und Norwegen (Ehristiania, Stockholm, Gothenbnrg, Norköping), Dänemark (Kopenhagen ),und mit mcistenthcils günstige», Erfolge sind im vorige» Jahre Export, Geschäfteunternommen »ach Jaffy, Meriko, Peru , Chili, den la Plata Staaten, St. Thomas undBatavia, Die politischen Wirren, welche in neuerer Zeit die Existenz vieler von die-sen Ländern bedroht haben und noch in Zweifel stelle», sind die Ursache, daß dieseErport-Geschäfte nicht in den, gewünschten Maaße ausgedehnt werden konnten.Außerdem aber haben viele Häuser in Hamburg , welche nur für Export arbeiten,Bestellungen gegeben, »nd so ist z, B, mit einem einzigen Hause dort in, verflossenenJahre ein Umsatz von 12,000 bis 15,000 Rthlr, gemacht. Hindernd wirkt auf diesGeschäft mit den, Auslande die Ausschließung der zollfreien Wiedereinfuhr der Fa-brikate, wodurch die zur Anknüpfung eines Geschäfts nöthigen Proben- und Aus-wahl-Sendungen unmöglich gen,acht werden; es wird deshalb gewünscht, daß dieSteuerbehörden hierbei daö laufmännischc Interesse in ähnlicher Art berücksichtigten,wie eS in Frankreich, England und Belgien geschehen.