Band 
Zweiter Theil.
Seite
687
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8. 141. Gummiwaaren, elastische u. wasserdichte Kleidungsstücke. 687

vi,-e„5 (Burbaum) >>latipli)I1(»s (brcitblättrige Wolfsmilch), pi,I»stri>(Sumpfwolssmilch), lierai'ckia»!, (Gcrard's Wolfsmilch), löüula lEsclsmilch) und l'aleata (sichelförmige Wolfsmilch); namentlich kommen siereichlich im Rheinlande, Westfalen und Sachsen wild vor; ihre Milchist von bitterem Geschmack und einer auf die Haut stechenden Wirkung,indessen bis jetzt nicht zur Bereitung von Gummi benutzt.')

Der Saft dieser Pflanzen, der von den Botanikern Milchsaft ge-nannt wird, weil er beinahe so aussieht wie Milch, hat auch eine ähnlichephysische Beschaffenheit. (5s ist eine wässerige Flüssigkeit mit auflöslichenStoffen; in ihr schwimmen kleine Kügelchen von einer in Wasser unauf-löslichen Substanz, die vermöge ihrer Kleinheit sich in der Flüssigkeit, vonwelcher sie jedoch wesentlich verschieden sind, schwebend erhalten, ebensowie sich in der Milch die Buttertheile schwebend erhalten. Aus der Ver-schiedenheit der beiden einander entgegenwirkenden Stoffe, die sonst beide,einzeln genommen, durchsichtig und farblos sein würden, entsteht die Dicht-heit und weiße Farbe der Flüssigkeit, und daher wird dieselbe mit RechtMilchsaft genannt. Die Achnlichkcit, welche dieser Saft mit der Milchvon Thieren und der Samenmilch der Pflanzen zeigt, sieht man in seinemVerhalten, wenn er sich selbst überlassen bleibt. Der frischen Luft bloßgestellt oder in geschlossenen Gefäßen aufgefangen und aufbewahrt, theilter sich in zwei Lagen, wie auch die Milch. Auf dem wässerigen Theileschwimmt sehr bald der leichtere unauflösliche Theil, der sich sammelt undauf der Oberfläche, wie die Sahne auf der Milch, gerinnt; er bildet bei-nahe die Hälfte der Masse. Aber hiermit hören auch die physischen Aehn-lichkeiten auf. Dasjenige, was sich bei der Milch und den aus Samenbereiteten Emulsionen auf der Oberfläche der wässerigen Flüssigkeit sam-melt, ist eigentlich ein fettiger Körper, welcher, neben Kohlen- und Wasser-stoff, auch Sauerstoff enthält, während die Art von Sahne, welche aufdem Milchsäfte der Pflanzen, wenn er sich selbst überlassen bleibt, obenschwimmt, eine Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff ist, wie mansie bei organischen Körpern so häufig findet. Letztere Art kommt in denHandel unter dem Indischen Namen Kautschuck (Federharz).

Diese Substanz war den Eingebornen der alten und neuen Welt inHindostan und Südamerika seit lange bekannt. In Europa wurden ihreNatur und ihre Eigenschaften erst in Folge einer Erpcdition der Französischen Akademiker nach Südamerika im Jahre 1735 durch eine Schrift des Herrnde la Condamine bekannt. Diese Nachricht erregte anfänglich wenigAufmerksamkeit; indessen erhielt die Französische Akademie 1751 durchFresnau und 1768 durch Macquer weitere Nachrichten. Zu Endedes vorigen und zu Ansang dieses Jahrhunderts wurde dies Materialzuerst in kleinen Quantitäten nach England gebracht und erhielt, da manes zum Ausreiben von Bleististstrichcn brauchte, dort den Namen Inckisnitzker (Reibgummi).

Obgleich sich der Verbrauch vermehrte, nachdem man es beim