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der Bevölkerung hinwegraffte. Einige Städte wurden ganz verödet, sodaß weder die Priester zur Herumtragung des Heiligthums, noch dieTodtengräber zu ihrer Arbeit, und die geweihte Erde der Gottesacker zuden Gräbern hinreichte, ja daß sogar viele Erbschaften ohne Anspracheblieben. In Basel sollen bei 12,000 Menschen gestorben sein. In Bern,wo sie im Spätjahre 1349 hinkam, fielen im September täglich bei 60,und um Weihnachten, wo sie am heftigsten war, bis 120 Personen'demTode anheim. Auch die Landschaft wurde nicht verschont. An einigenOrten glaubte man bemerkt zu haben, daß die Juden allein von dem all-gemeinen Uebel befreit geblieben seien; und daß sie sich während dieserZeit sorgfältig des Gebrauchs des Regen- und Ziehbrnnnenwasscrs ent-hielten, dieses führte zu einem heftigen Verdachte gegen sie, als ob siedie Brunnen vergiftet hätten. Besonders standen diejenigen, welche rothgekleidet waren, in diesem Rufe. Eine Menge derselben wurde in derersten Volkswuth auf die furchtbarste Weise umgebracht, oder da, wonoch mehr Besonnenheit walttte, gefangen genommen, auf die grausamsteArt an die Folter geschlagen, und auf die ihnen unter den entsetzlichstenSchmerzen erpreßten Geständnisse hin lebendig verbrannt, oder sonst mitSchmach und ausgesuchten Qualen hingerichtet, so daß sich zu Eßlingendie Juden jung und alt lieber selbst in ihrer Synagoge verbrannten.Ungeachtet aller dieser Gräuel aber mochte dennoch die Pest nicht be-zwungen werden.
Zwei ganz verschiedene Wege boten sich den Zeitgenossen dar, dasUnglück zu bekämpfen. Nach der Meinung der Einen war der Zorn Gottesnur durch inbrünstige Andacht, tiefe Trauer, in Sack und Asche gehüllt,und sich selbst auferlegte Büßungen und Kasteiunge» zu besänftigen. DiesesMittel hatte eine neue Sekte, die sogenannten Geißlcr, gewählt, welcheschaarcnweis Städte und Länder durchzog, wo man sie auf der Straße,bis zum Gürtel entblößt, unter Absingen von Psalmen, Anrufung Gottesund Wehklagen, sich bis auf's Blut geißeln sah. Vorn und hinten aufden Kleidern und auf den Hüten trugen sie das Kreuz. Der Pabst selbstmußte dem Unwesen ein Ende nzachen. Andere hingegen ließen ihrenLeidenschaften auf die ungestümste Weise den Zügel schießen/ und schon-ten, da die Gerichte und Räthe sich aus Furcht vor Ansteckung nicht ver-sammelten, weder des Eigenthums noch des Lebens ihrer Nächsten, oderwälzten sich auf die tollste Weise in allen Ausschweifungen der Tafel, desTrunks und der Wollust herum, um keinen Genuß zu verlieren, ehe derTod sie überrasche. Die Klügsten aber suchten sich bei einem festen Gleich-muthe zu erhalten, und fuhren, ohne sich von Kummer und Sorgen störenzu lassen, in der hergebrachten Besorgung ihrer gewöhnlichen Lebensge-schäfte fort.
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