23
Nun war's, als sei in's leichte StrohDer zündende Funken gefallen,
Von neuem entbrannte lichterlohDer Zank in den heiligen Hallen.
Ja! riefen die Einen, den Rath erneu'»!
Nein! riefen die Andern, das darf nicht sein.Bald wär' es im Tempel, im frommen,
Zum blutigen Kampfe gekommen.
Unglückliche! rief da Rudolf aus,
Bedenket die heilige Stätte,
Zst's möglich? selber im GotteshausZerfleischet ihr euch in die Wette?
Wenn Zwietracht unter euch waltet und Zwist,Wenn Bürgerblut der Bürger vergießt:
Bald steht dann der Feind vor den Thoren,Bald seid ihr dann alle verloren.
Sei hart auch das Wort, das Reinold entfloh'«Wer darf es ihm übel nehmen?
Entreißet ihr strenge dem Vater den Sohn,
Wie kann er das Herz da bezähmen?
D'rum rath' ich ein Mittel euch an zur Sühn',Ich weiß, das Mittel besänftiget ihn.
Ruft heim den Sohn des AltenUnd lasset den Frieden dann walten.
So sprach der Graf in besonnener Ruh'
Und Alles erhebt die Hände.
Auch Schreiber stimmt und die Seinen dazu —Den Jüngling holt man behende.
Der stürzt entzückt in des Vaters Arm —
Um's Herz wird's manchem Bürger warm —Feucht wird auch das Auge dem Feinde —D'rauf löst sich versöhnt die Gemeinde.