Viertes Kap. Spanischer Successionskrieg. 125
durch den Frost zerstört worden. Das Volk schrie nach Brot unddie Zufuhr über's Meer war durch den Krieg gehemmt. Ludwigbegehrte den Frieden um jeden Preis. Als aber die Alliirten ')nach langer Verhandlung statt des Friedens nur einen Stillstandantrugen, dessen Preis die Annahme von 40 Präliminarpunkten(worunter die Anerkennung Karls III. als König von Spanien undHerrn der ungeth eilten spanischen Erbherrschaft, die RäumungSpaniens durch Philipp binnen zwei Monaten, auch die Abtre-tung von Straßburg, Breisach, Landau und einer Reiheniederländischer Festen) seyn jollte; so verwarf Ludwig dieschmählichen Vorschläge, legte zu seiner Rechtfertigung dem ganzenVolk die harten Zumuthungen vör und zog aus desselben patrio-tischer Entrüstung neue Kräfte zum Streit.
Aber das fortwährende Waffenglück der Alliirten (ihr Siegbei Malplaquet über den großen Villar s, und die Eroberungvon Dorn ick und Mons) schlugen den Muth Ludwigs übermalnieder. Er erklärte sich bereit, die harten Forderungen alle zugewähren, worauf ein Friedenskongreß zu Gertruidenbergeröffnet ward ^). Die französischen Gesandten erfuhren hier vonSeite der Alliirten denselben Uebcrmuth, womit Sie Selbst sonstgewöhnt waren, ihre Feinde zu behandeln. Denn nicht zufriedenmit den früher gesezten, schweren, von Ludwig bewilligten Be-dingungen, verlangte man jezt ausdrücklich und unumwunden,was man früher nur leise zu versähen gegeben, daß nämlich derKönig mit eigener Heeresmacht seinen Enkel Philipp aus Spanienvertreiben und noch einige Festen weiter als Unterpfand der Treueden Alliirten übergeben solle. Umsonst bot Ludwig denselben einenfreien Durchzug gegen Spanien, ja selbst einige Geldhilfe zurEntthronung Philipps an. Der Troz der Sieger beharrte aufder empörenden Forderung des Krieges gegen den Enkel. Dawurden die Unterhandlungen abgebrochen; und Frankreich —Dank der Ungenügsamkeit seiner Gegner — war gerettet.
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Tod Josephs I. Wendung des KriegSglückS.
Denn es sezten zwar Eugen und Marlborough ihren
1) 28. Mai.
2) 1710. 10. März