Band 
Achter Band.
Seite
314
JPEG-Download
 

314 Dreizehntes Kap. Der Norden und Osten

Elisabeths Thronbesteigung, in's Gefängniß geworfen hatte H.Vier und zwanzig Jahre war er jezt alt geworden, und kanntenichts als die Kerkermauern. Einige Freunde des Hauses Iwan,oder welchen der Titel von Kalharinens Gewalt bedenklichschien, gedachten des Jünglings, die heilige Synode schlugihn der Kaiserin zum Gemahl vor. Bald darauf machte Miro-witsch, ein Kosake, verleitet — durch Diener oder durch FeindeKatharinens? — den Plan, Iwan zu befreien, und brach beinächtlicher Weile in das Gefängniß. Die zwei Officicrs, welcheIwan bewachten, hatten den Befehl ihn zu todten, wenn einBefreiungsversuch statt fände. Sie thaten jezt, wie ihnen anbe-fohlen war; und der unschuldige Iwan, aus dem Schlafe auf-geschreckt, fiel, da er steh um sein Leben wehrte, durch mehrereWunden. Miro witsch wurde hingerichtet, die Mörder belohnt.Europa, wiewohl den genauen Zusammenhang der Schreckensge-schichte nicht kennend, erschauderte ob der in Nacht gehülltenThat -).

Von Peters Entthronung an durch 34 Jahre führte Katha-rina den Zepter des russischen Reiches, kräftig, weise, kühn undglücklich, eine große Frau, insofern Größe seyn kann ohne Mo-ralität.

§. 5.

Katharina's innere Verwaltung.

Aber das Gemälde dieser Regierung zerfällt in zwei nachCharakter und Eindruck sehr verschiedene Partien, jene der ein-heimischen und jene der auswärtigen Geschäfte.

Zu der innern Reichsverwaltung erscheint Katharina als wür-dige Nacheiftrin Peters des Großen, als Erbin seines Geistes,und, weil im Besiz ungleich größerer Hilfsmittel, auch in nochgrößerem Maße wirksam und wohlthätig.

Zwar die vollständige Kenntniß des eigenen Reiches und derso vielfach verschiedenen Theile desselben, die Frucht von Petersunaufhörlichen Reisen, besaß sie nicht. Auch mangelte ihr imKriegs- und Seewesen der allumfassende, praktische und

1) 1?4l. s neuntes Kap. lezter §-

2) 1764. 15. Juli.