Katharina die Große. Theilung Polens. 31Z
schöpferische Blick jenes genialen Mannes. Auch im Erkennendes Verdienstes, des stillen zumal, war sie minder scharfsehendals Er, und ste übersah oder duldete manchen Gewaltmißbrauchder Statthalter und Großen. Endlich zog sie, bei der Wahlzwischen dem Glänzenden und wahrhaft Nüzlichen, zwischen dunGeräuschvollen und still Humanen, meistens das Erste vor. Aberbei allem dem wirkte sie wuuderwürdig auf die Civilisation, aufdie Wohlhabenheit, auf die innere Kraft und Verschönerung ihresweiten Reichs; theils durch Fortführung oder WiederaufnahmeDesjenigen, was von Peter begonnen, seitdem aber größten-theils vernachläßigt oder zerfallen war, theils durch selbsteigeneneue Schöpfungen in seinem Sinn und Geiste.
Dem schlechtbevölkerten Reich mehr Menschen zu verschaffen,deren sie zumal zum Ersaz derjenigen bedurfte, welche in ihrenunaufhörlichen Kriegen bluteten, lud sie Ausländer zur Nieder-lassung in Rußland ein, durch eigene Manifeste, durch gastfreund-liche Aufnahme und freigebige Unterstüzüng. Viele Tausendefolgten dem Ruf; doch erfuhr Katharina, daß zu lockendeAnerbietungen meist nur Taugenichtse herbeiziehen, und daß Geldund Gunst an allen Ansiedlnngen verschwendet sind, wohin derKolonist nicht Fleiß, Mäßigkeit und Redlichkeit als eigene Aus-stattung mitbringt. Die Anlage neuer Städte, mehr als zwei-hundert an Zahl, meist an trefflich gewählter Stelle, die Stiftungvon Findlings-, Kranken - und Armenhänsern, die Einführnngder Pockeneinimpfung, die Vertheilung von Aerzten und Wund-ärzten durch das ganze Reich, endlich die allgemeinen Anstaltenzur Vervielfältigung der Nahrungswege, Emporbringung desAckerbau's, der Gewerbe und des Handels wirkten weit mächtiger,als das eifrigste Kolonisiren, und wirken noch.
Unermüdet sorgte Katharina für den einheimischen und aus-wärtigen Handel. Anlegung von Straßen und Kanälen, Er-richtung eines Handelscollegiums, viele nüzliche Traktate mit demAusland, zumal die Erwerbung des von Peter vergeblich gesuch-ten freien Handels auf dem schwarzen Meer und allen türkischenGewässern, Ausdehnung der Schifffahrt, und Verfolgung derEntdeckung-plane über Land und Meer, sind die rühmlichen Mo-numente ihres einsichtsvollen Eifers. Natürliche Hindernisse,