Katharina die Große. Theilung PolenS. 32L
aber sie verlieren sich unter der Menge ähnlicher, welche dieserKrieg hervorrief. Der Chan Selim Ghierai floh nach Con-stantinopel, und der auf russisches Machtwort gewählte neueChan, Sahib Ghierai, sagte sich los von aller Abhängigkeitgegen den Osmanischen Sultan.
Neben so vielen Bedrängnissen litt die Pforte noch durch ge-fährlichen Aufstand, einerseits des Georgischen Prinzen Hera-klius, Fürsten von Cartel und Cachetti, und vieler andererEmirs und Fürsten des kaukasischen Landes, welche sämmtlichden russischen Schuz anflehten, oder durch die russischen Lockungenzum Abfall vermocht wurden, anderseits des furchtbaren Ali-Bey, Statthalters in Aegypten, welcher sich zum selbstständigenHerrn des Landes auswarf'). Scheikh Daher, Herr in Pa-lästina, stand in Bündniß mit ihm. Durch Mord und Verban-nung vieler Großen, überhaupt durch Gewaltthat und List, be-hauptete er mehrere Jahre die unumschränkte Gewalt und zog,um sich darin zu befestigen, Ausländer, zumal Griechen undRussen, in seinen Dienst. Aber dadurch mißfiel er den Aegyp-tern. Auch regte er durch Mangel an Frömmigkeit den Fanatis-mus wider sich auf. Sein eigener Schwager und sein Eidamfielen von ihm ab, und schlugen ihn in einer entscheidenden Schlacht.In einer zweiten, verzweiflungsvollen, verlor er sein Leben. DiePforte triumphirte laut über seinen Fall *).
§. 9.
Annäherung Oestreichs und Preußens. Entwurf einerTheilung Polens.
Das Glück der russischen Waffen erregte die EifersuchtOestreichs und selbst Preußens, wiewohl dieses noch mitRußland im Bunde stand. Oestreich zog Truppen zusammen,der König von Preußen jedoch, nach mehreren persönlichenZusammenkünften mit Kaiser Joseph II.'), erklärte zwar seinenWunsch der Friedensstiftung, aber zugleich seinen Entschluß, dem
1) 1769. 2) 1772.
3) 1769 und 1770, die erste zu Neisse, wo der Kaiser Ihn, die zweiteiu Neustadt, wo Er den Kaiser besuchte.