Vierzehntes Kap itel. Kaiser Joseph II. 311
sie sich bald mit denjenigen Lehren, deren Gebrauch oderMißbrauch politischen oder pekuniären Vortheil verhieß. Dasreiche Kirchen - und Klostcrgut zog den lüsternen Blick auf sich.Die Deklamationen der Staatswirthe, die Mahnungen der Philo-sophen boten willkommene Gründe dar zur Befriedigung der Lustdurch Besteuruug oder Aufhebung der Kloster, überhaupt zur Un-terwerfung der Kirche unter die Staatsgewalt. „Wenn mauaber die Kasernen in gleicher Masse zunehmen wie die Kloster-eingehen sah, so betrachteten Freunde der Freiheit und Ruhemit Mißvergnügen die ungünstige Wendung der nothwendigenReform." (Joh. v. Müller.)
§. 4 .
Aufhebung der Jesuiten.
Aber das wichtigste Zeichen der Zeit, und nicht weniger fol-genreich als überraschend, war die Aufhebung des Jesuiten-Ordens durch denselben päbstlichen Stuhl, dem jener so langeals treuste Stüze gedienct, und aus Verlangen derjenigen Höfe,welche sonst die frömmsten und dem Einfluß der Jesuiten ammeisten gehorchend gcwesezi.
Unter dem Pabst Clemens XII!., Rezzonico, brach dasGewitter über dem lange verehrten und gefürchteteu Orden aus;wiewohl schon unter seinem Vorführer, Benedikt XIV., Lam-bertini, manche Klage gegen die Jesuiten, gegen ihre geheimenVerbindungen, ihre lare Moral u. a. m. erklungen, und in Por-tugal bereits die entschiedene Feindseligkeit des durch den Mini-ster Pombal beherrschten Hofes wider dieselben an den Taggekommen war. Herrschsüchtige Plane, welche der Orden in Ame-rika soll betrieben haben zum Umsturz der den Königen Portu-gals und Spaniens alldort zustehenden Gewalt, waren der ersteGrund oder Vorwand seiner Verfolgung. In der That hattendie Jesuiten in den der spanischen Hoheit unterstehenden Wildnissenvon Paraguay (und Uraguay) sich eine unabhängige Machtgebildet, und übten bereits über 100,000 Eingebornc- eine klugerworbene und wohl benüzte bürgerliche und Scclenbeherrschung.Bei Gelegenheit eines Tauschvertrags zwischen Spanien und Por-tugal (1750) über einige Distrikte jenes Jcsuiten-Staates, dessen