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Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II.
Anwendung finden. Der hauptbetheiligte Fürst, das Stammes-haupt, gab seine Einwilligung zum Tausch, und ohne sremde Auf-regung würden wohl auch die Agnaten vom Widerspruch abgestandenseyn und der willenlose Reichstag sich zur Förmlichkeit der Zustim-mung bequemt haben. Hatte er doch zu weit Ucblercm schon frü-her sie ertheilt und sollte es in Bälde zu noch Kläglicherem thun!Eine wesentliche Benachtheiligung des pfälzischen Hauses, wennman nach Volkszahl und Landesreichthum rechnete, war übrigensnicht beim Tausche. Lage, Kultur und Handel der dicht bevöl-kerten Niederlande mochten ersezen, was das dünner bewohnteund ärmere Baiern an Flächenraum voraus hatte; und was Oest-reich dabei immer gewann, an Ründung, an politischer und mili-tärischer Stellung, gereichte ja dem Mitkontrahenten darum nichtzum Nachtheil. Von dem einzigen Recht, das hier zur Sprachezu bringen war, von dem Rechte der Völker, nicht also gleichwillenlosen Heerden vertauscht zu werden, war wenig Rede, undist es noch heutzutage nicht.
Vom Standpunkt der Politik indessen erschien freilich dieSache anders. Durch Erwerbung Baierns schritt Oestreichin's Herz von Deutschland, beherrschte Schwaben, ja selbstdie Schweiz, bedrohte die Verfassung des teutschen Reichs unddas Gleichgewicht von Europa. Doch dieses Gleichgewicht warschon früher zerstört worden. Die Theilung Polens gab davonden traurigen Beweis, und Teutschland, Dank seiner erbärm-lichen Verfassung, ohne eigene selbstständige Kraft, war auch ohneden Tausch Baierns verloren, sobald die großen Mächte sich überdessen Theilung verglichen. Daß aber Oestreich durch BaiernsErwerb stärker gegen Frankreich wurde, war wohl Gewinnfür Teutschland; und die Stiftung eines Burgundische« König-reiches, als fricdewahrender Zwischcnmacht, haben wir in unsernTagen als Meisterwerk der Politik preisen hören. Wäre JosephsPlan geglückt, und hätte Er, der vom Zeitgeist Angewehte, längergeherrscht, so würde Frankreichs Revolution entweder durch seinewohlthätige Vermittlung einen friedlichen Gang gewonnen haben,oder, falls gleichwohl der Krieg entbrannte, derselbe für Deutsch-land minder schmachvoll gewesen seyn. Selbst der Sturz derveralteten Reichs-Verfassung — der ohnehin unvermeidliche —». Rottcck Gksch. 8r Bd. 23