Vierzehntes Kapitel. Kaiser Joseph II. 355
rechtliche, eigenmächtige Ansprüche oder willkürliche, aufgedrungeneZumuthungen zu nahe getreten werde. Sollte irgend etwas dieserArt geschehen oder zu besorgen seyn, so wollten die kontrahirendenHofe mit allen gesezlich und reichsverfassungsmäßig ihnen zustehen-den Mitteln solchem Beginnen und solcher Gefahr nachdrücklichund eifrigst entgegenwirken. Der Bund enthielt sonach eine even-tuelle Kriegserklärung gegen Oestreich, dessen nicht unbegrün-deter Unwille darüber in scharfen Staats - und Privat-Schriftensich äußerte.
Aber schon vor dem Abschluß des Fürstcnbundes, auf dieblose Kunde von der Protestation Zweibrückens und derpreußischen Intervention war K. Joseph abgestanden vondem nunmehr unausführbaren Projekt. Rußland trat zurück,sobald der Widerspruch laut geworden; und Oestreich protcstirtcfeierlich gegen die Anklage, als habe es anders als im Wegeeines ganz freiwilligen Ucbereinkömmnisses das Tauschprojektbetrieben.
Nicht lange nachher starb K. Friedrich ll. welchenWahrheit den Großen, Abgötterei den Einzigen nennt.
§. 9.
Streit mit Holland.
Selbst gegen Holland, welches nicht weniger durch selbst-eigene Erschlaffung als durch das neu entstandene enorme Ueber-gewicht der präpotcnten Continental-Mächte zur politischen Un-bedeutsamkeit herabgesunkcn war, gewann Joseph nichts. DenBarriere-Traktat zwar, dessen Unnatürlichkeit ihm auch dieHaltbarkeit nahm, zernichtete Joseph. Die Holländer, derenBesazungen man schon seit dem Aachner Frieden den Sold ver-weigerte, räumten die schlecht unterhaltenen Festungen (welchenachmals großentheils geschleift wurden); aber bei den aus dem
1) 1786. 17. Aug. Die Zahl der Lebensbeschreibungen Friedrichs ll.oder der Lobschriften, Anekdvtensammlungen ic. über und von ihm ist sehrgroß; theils von ungenannten Verfassern, theils von Vo > t-> i re, deinHammerdörser. 0. <I« Ouiliort, v- Seyfart. Garve.v- Zimmermann, Fr. Nikolai, Biisching. IZor. de I-, sslotte-I on-stu<-, )V. Qillie« U. v. a.
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