Schwerer Druck lag auf der grossen Classe der Leibeigenen.Sie waren zu mannigfaltigen Fronen verpflichtet, dursten sichnicht von dem Toden entfernen, den sie bearbeiteten, nicht ein-mahl hcirathen ohne Erlaubniß des Herren, und die Kinder wa-ren erworbenes Eigenthum desjenigen, welchem ihre Eltern an-gehörten. Ei» größerer oder kleinerer Theil von dem Nachlasseeines verstorbenen Leibeigenen, wenigstens das beste Stuck Vieh(Besthaupt), Kleid, oder Waffen gehörte dem Herren. Dennochwaren sowohl die Gerechtsamen der Leibherren, als aber auch dieAusübung derselben sehr von einander verschieden.
In den Städten, welche von Zeit zu Zeit sich von Steuernund Verpflichtungen gegen ihre geistlichen und weltlichen Her-ren loskauften, oder neue Freyheiten für geleistete Dienste ge-schenkt bekamen, vermehrten sich Kenntnisse und gesellschaftlicheBildung. Friedrich H hatte viel beygetragen, die Neigung zuden Wissenschaften und das Studium der Alten wieder zu wecken.Die Landessprache wurde seit dem Ende des Xll Jahrhunderts im-mer mehr bey öffentlichen Verhandlungen gebraucht, und fingan, bestimmt den Charakter anzunehmen, aus welchem die Deut-sche Sprache sich entwickelt hat. Wer bessere Kenntnisse besaß,wurde geachtet; die Dichtkunst ward eine Lieblingsbeschäftigungder Gebildeteren unter dem Adel, welche damahls zahlreicherwaren, als in den nächstfolgenden Jahrhunderten, und mit ihnenvereinigten sich geistreiche Männer aus dem Bürgerstande. DieseDichter, welche man Minnesinger nannte, waren, obschon siedie Alten nur unvollkommen kannten, weniger als bisweilen dieDichter späterer Zeiten in düstern, verworrene» Ansichten, oderin erkünstelten Bildern befangen, sondern ihre Dichtungen, vonwelchen die Manessische (*) Sammlung uns eine grosse Anzahlaufbewahrt, hatten zarte Gefühle, die Freuden und Schicksale desLebens, die Ereignisse der Zeit, u. dgl. nicht ohne unbefange-nes Urtheil zum Gegenstände; sie lehrten praktische Klugheit
(-) Dir Maneffen besaßen einen Riiterthurw in Zürich.